SSL: was bedeutet das eigentlich, was bringt uns das für FileDirector?

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SSL: was bedeutet das eigentlich, was bringt uns das für FileDirector?

… ;-) Also schön. Ich versuche mal mit Händen und Füßen zu erklären… SSL bedeutet „Secure Socket Layer“, auch TLS oder “Transport Layer Security”. Schon ziemlich viel Sicherheit in den paar Abkürzungen, oder?

Vorsicht! Hier geht es einmal nicht um die digitale Signatur von Dokumenten (das können wir auch), sondern es geht um sichere Kommunikation. Mit SSL kann man schon mal eine Menge machen. Es hilft ungemein. Ich werde mal versuchen, die Thematik mit einfachen Mitteln ein wenig näher zu bringen.
Manchen Administratoren ist SSL auch ein Dorn im Auge, denn SSL ermöglicht den Anwendern nahezu unprotokolliert aus dem Firmennetz hinauszukommen, um zB. Banküberweisungen zu machen, oder auch sonstigen Unfug.
Die Anwender wissen also, dass die Verbindung von A nach B verschlüsselt ist und bekommen das auch angezeigt. Meist durch das „Schloss- Symbol“ in der Fußzeile oder in und neben der Adressleiste im Internetexplorer. Ohne zu tief in die Details eingehen zu müssen, wissen wir also dass beim „surfen mit dem Schloss“ uns erstmal keiner über die Schulter gucken kann (es sei denn unsere Kiste ist verseucht, aber das schließe ich mal aus…).

SSL hat noch mehr Vorteile, doch immer der Reihe nach.
Zunächst erstmal müssen wir es schaffen, dass der Client (Surfer/ Anwendungsbenutzer) dem Server (Webseitenanbieter/ Anwendungsanbieter) vertraut. Das geht mit Hilfe eines Zertifikates. Wie heißt es so schön? „Garantiert die Identität eines Remotecomputers“. Ein Zertifikat kann man also nicht nur für die Signatur eines Dokumentes verwenden, sondern um sich als garantiert echter Webserver auszuweisen. Ich pappe dem Webserver also eine Briefmarke oben „drauf“. Allerdings kann ich nicht irgendeine Briefmarke draufpappen, es sollte schon so eine sein, welcher die Anwender auch vertrauen (Vertrauensstellung…) können. Üblicherweise kann ich mich an einen Diensteanbieter (Stammzertifizierungsstelle) wenden. Davon gibt es eine Menge: Geotrust, Verisign, etrust …; das ist in etwa so wie mit dem Straßenverkehrsamt und dem Autokennzeichen. Das kostet zunächst mal Geld. Um so ein Kennzeichen zu bekommen muss man sich ja auch ausweisen (Personalausweis, Handelsregisterauszug…). Aber: Alle Polizisten vertrauen Flensburg und so kommt es, dass wir eine zentrale Stammzertifizierungsstelle haben. Mit so einem Verkehrszeichen darf ich dann also rumfahren und werde ich geblitzt, dann vertraut mir auch der doofe Fotoapparat in sofern, als dass er weis dass ich sozusagen „ich“ bin und nicht jemand anders. So funktioniert das auch mit den Webseiten und den Zertifikaten.

Trustcenter, „Pfade“…
Aber, man kann das Spiel noch ein wenig weiter spielen. Wenn Sie in Ihrem Internetexplorer einmal auf „Zertifikat anzeigen klicken“ und dann auf Zertifizierungspfad, stellen Sie doch einen längeren Weg der Vertrauensstellung fest. Man kann das in etwa mit den regionalen Straßenverkehrsämtern vergleichen. Im Auftrag des Kraftfahrtbundesamtes stellen die nämlich die Kennzeichen aus. Also vertraut das Kraftfahrtbundesamt dem Straßenverkehrsamt Duisburg, dieses wiederum mir und so bekomme ich mein Kennzeichen für mein Auto. Bei digitalen Zertifikaten geht das noch ein Stück weiter, denn fast jedes große Unternehmen besitzt selbst ein sogenanntes Trustcenter welches wiederrum Zertifikate ausgibt (Zertifikate können unterschiedliche Zwecke haben, im Moment sprechen wir über die Identität eines Remotecomputers).
Es ist in etwa so wie wenn Helmut Meier Familie Müller vertraut, dann tut es Sohnemann Meier ebenso, oder Papa sagt – Mercedes ist cool, dann findet Sohnemann das auch. Ein richtiger Pfad also.

toofast

… so sieht das aus, wenn eine Vertrauensstellung im Straßenverkehr funktioniert:

Da bei unserer internen Verkehrsbehörde (Rosi) bescheid gewusst wird, dass ich das war, darf ich die zwanzig Euro wohl denn auch blechen… Trotzdem erinnere ich mich sehr gerne an dieses Foto.

…Fälschen von Kennzeichen möglich?
Aber ein KFZ- Kennzeichen kann ich ja fälschen, wie kann ich da sicher sein, dass ein SSL- Zertifikat echt ist? Niemals! Wir müssen vertrauen. Windows vertraut per default mehreren Trustcentern. Rauskriegen, wem Ihr vertraut könnt Ihr, wenn Ihr in der Kommandozeile „certmgr.msc“ eingebt und Euch in die „vertrauenswürdigen Stammzertifizierungsstellen“ bewegt. Das sind sozusagen die Kraftfahrtbundesämter, denen Windows vertraut.
Missbrauch möglich? Ja klar! Allerdings schützen wir uns in der deutschen Gesetzgebung in etwa so: „fälsche ich ein Autokennzeichen, so begehe ich eine Urkundenfälschung“. Oder so ähnlich. Da mir das aber im Internet nix bringt, da wir bei einer Verfolgung von Straftätern meist leer ausgehen, müssen wir schon technische Algorithmen mit einbauen. Es ist in etwa so wie mit einem Fingerabdruck, den wir da mit einbauen. Dieser muss dann aber auch zum „Remotecomputer“ also der Webseite passen. Wichtig ist also hier der „FQDN“ („fully qualified domain name“) also www.dasistmeinewebsite.de, das darf nicht abweichen! Ist hier ein Fehler in der URL, dann sagt mir mein Browser oder meine Applikation, dass da was nicht stimmt, oder derjenige der da sagt er sei jemand ist überhaupt nicht dieser jemand. Dann verweigert der Browser (die Applikation) typischerweise erstmal die Fortführung der Applikation und meldet dieses. Gleichso ist es mit dem Datum und der Uhrzeit (siehe Ablaufdatum eines Zertifikats). Übrigens: Weicht die Uhrzeit vom Server mehr als 5 Minuten von der des Clients ab, so gibt es ebenfalls eine Fehlermeldung. Dann gibt es noch Sperrlisten, sollte also ein Trustcenter mitteilen, das ein darunterliegendes Trustcenter oder ein Remotecomputer nicht mehr vertrauenswürdig ist (im Sinne von „hat gekündigt“ oder „bezahlt nicht“ oder „wurde gehackt“) dann ist es ebenfalls vorbei mit der Vertrauensstellung. Dennoch, traue ich auch dem Trustcenter von www.dasLstmeinewebsLte.de, kann mich das System nicht vor evtl. Phishing Atacken schützen.

Also geht es erst einmal nicht um die „Verschlüsselung“, sondern um die Identität! Und das gibt mir den Vorteil, dass jemand anders nicht sagen kann, er wäre John Lose. Da fällt mir gerade ein, dass mein Personalausweis abgelaufen ist, ach du liebe Güte!

Verschlüsselung
Dann, sofern wir wissen dass jemand wirklich jemand ist, dann geben wir auch unseren Benutzernamen und unser Kennwort preis. Hier haben wir den großen Vorteil, dass mir keiner meine EC Karte aus dem Portemonnaie mopsen kann. Jetzt wo wir beide schon auf einem sicheren Kanal funken, werden wir uns über einen gültigen Schlüssel unterhalten, der unser Gespräch verschlüsselt. (Phase 1 und Phase 4 der Verschlüsselung; Phase 2 und 3 werden verwendet, sofern der Server auch vom Anwender einen „Personalausweis sehen will).

Schutz vor dem Lauschangriff
Dann kann mir zunächst mal keiner die Sitzung „mopsen“ oder unerlaubt zuhören („session hijacking“/ „man in the middle“) zumindest wird es relativ schwer. Ich habe ebenso den Vorteil, dass mein Gespräch nicht verändert wird von Leuten die sonst immer meinen was anderes sagen zu müssen oder irgendwelche Gerüchte verbreiten, wie zB. Proxies und so’n Gestrüpp. Die wissen zwar, dass wir miteinander sprechen aber zuhören wird relativ schwierig, den Inhalt sehen sie also nicht.

Was bringt mir das im DMS?
Da FileDirector auch http spricht, kann er dieselbe Verschlüsselung und die gleichen Authentifizierungsmechanismen verwenden. Es kann also niemand anders vorgeben, mein FileDirector Server zu sein. Ebenso kann mir niemand zuhören oder die Daten verändern, sofern sie von A nach B transportiert werden. Ich habe kein Problem mit Proxys oder Anwendungsfiltern, die mich nerven könnten oder irgendwelchen Spielkindern, die wissen wollen was Onkel Joe mit seinem Server spricht. Das geht nämlich nur uns zwei was an.

SSL ist also eine ziemlich coole Sache, sofern man sie mal verstanden hat.

Tipps:
Übrigens, man kann es auch ein wenig „kostengünstiger“ haben, mit einer eigenen „Stammzertifizierungsstelle“, reicht vollkommen aus. Oder ganz billig: mal eben mit dem selfssl script (iisreskit); doch Vorsicht beim selfssl script: Hier ist der Server seine eigene Stammzertifizierungsstelle.
Wenn Ihr wissen wollt, wie TLS oder SSL wirklich funktioniert, so schlagt doch einfach mal auf wikipedia nach!

Links:
Windows PKI: http://technet.microsoft.com/en-us/library/bb735132.aspx
Trustcenter bei Tecchannel: http://www.tecchannel.de/sicherheit/grundlagen/402017/index10.html
SSL/ TLS bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Transport_Layer_Security
Selfssl/ ISS RESKIT: http://www.msxfaq.de/tools/selfssl.htm

By | 2007-10-22T22:50:16+00:00 22.10.2007|FileDirector, Sicherheit|Kommentare deaktiviert für SSL: was bedeutet das eigentlich, was bringt uns das für FileDirector?

About the Author:

John Lose
John Lose ist Informationstechnologe und Datenreisender. Manche mögen ihn als "Aluhut-Träger" bezeichnen, denn er mag nur kleine Rechenzentren, die er selbst kennt. Public Clouds kommen für Ihn höchstens für Webseiten in Frage. John ist Katzenliebhaber, hat aber keine Katze, fährt gerne nach Südfrankreich und hört Tech-House. Mehr über John Lose erfährst Du in seiner Vita.  Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, so kannst Du auch Danke sagen, wenn Du möchtest:  >> Dankeschön <<.