Apple, da fehlt was im Regal!

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Apple, da fehlt was im Regal!

Ich bin offensichtlich einer der wenigen, die tatsächlich viel Leistung benötigen. Auf vielen Kernen. Mit viel IO. Nun ist es auch noch passiert. Mein Late 2009 iMac hat mich verlassen. Es war das sogenannte „Untenrechtsmodell“. Schon damals bewaffnet bis an die Zähne mit allem, was das FCPx Herz begehrt. Viele, schnelle Kerne. Naja, heute nicht mehr unbedingt so schnell, aber 720P konnte ich damit wunderbar bearbeiten und in akzeptabler Zeit für Youtube bereitstellen. Selbst 1-2 Filter konnte ich noch anwenden. Er hatte alles mitgemacht. Selbst Pritlove’s Empfehlung, eine SSD per Firewire zu benützen, beflügelten Ihn noch für weitere Jahre.

Nach dem 10.10 Update begann der langsame Hitzetod. Bei Belastung wurde der Bildschirm schwarz. Zunächst half ich mir noch mit einigen Tools, die den Ventilator hochpitchten, später nahm ich ihn auseinander um ihn zu entstauben. Zum Schluss reduzierte ich die Helligkeit, denn jene führte ebenfalls zu einer nicht unerheblichen Hitzeentwicklung im Gehäuse. Es brachte alles immer nur temporär Erfolg. Er war nicht mehr zu retten. Eine Nachfolger-Grafikkarte für die betagte Radeon war nicht zu finden.

Eine Tragödie! Jetzt ist er tot.

Offensichtlich ist das Konzept, alles in einem Gehäuse unterzubringen, doch nicht so pralle. In sofern kommt für mich der neue 5K iMac auch nicht in Frage, mag er noch so schnell sein. Ich will das nicht mehr. Die Kombination Displayhitze und Grafikkarte scheint für das Lüftungskonzept tödlich. Und jetzt?

Da ich gewohnheitsmäßig nicht ohne 27″ Display arbeiten konnte, musste als erstes ein Thunderbolt-Display her. Auf einem 1080er Desktop bekam ich schon Platzprobleme. Es ging einfach nicht anders. Ich hatte leihweise ein 2011er MacBook Pro von einem lieben Freund aus Trier, jenes selbigen behelfsmäßig antreiben konnte. Es hat 8GB, eine HD4000 und einen i5. Naja… An einem Sonntag fand ich auf Ebay-Kleinanzeigen in Tönisvorst direkt gegenüber eines lieben Kunden von mir einen Anbieter eines TB-Displays, der seines kostengünstig loswerden wollte.

Immerhin hatte ich wieder einen Arbeitsplatz, mit jenem ich meiner gewohnten Arbeit nachgehen konnte. RoyalTS (SSH und RDP) klappt damit ganz gut. Doch das kleine MacBook kam schnell an seine Grenzen. Der Intel drosselt, wenn ihm zu warm wird. Ab 80°C CPU Temperatur geht’s in den Keller mit der Performance. Schnell hatte ich raus, dass ich ihn nicht im geschlossenen Zustand auf dem Schreibtisch beackern wollte. Ein kleiner Luftzug über das Keyboard reichte, um auch mit dem 27″ Monitor akzeptabel zu arbeiten. Mit Gummidämpfern hielt ich das Display im leicht geöffnetem Zustand. Es geht nix über eine ordentliche Lüftung:

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Nur Spielen will man damit nicht. Das hatte ich recht schnell raus. Auch nicht mit reduzierter Qualität. Das ist nicht sonderlich schlimm. Ich besaß eh kaum Freizeit, die ich für ein Computerspiel opfern konnte. Zeit ist eh ein teures Gut. So bekam ich auch heraus, welche Software gut geschrieben und welche eine Katastrophe ist. Die DSP-Software von M-Audio, die nichts anderes Tut als das Mixing der Fasttrack C600 zu verwalten (der DSP sitzt in der Soundkarte) genehmigte sich einen guten Schluck CPU-Power. Die hatte ich zuvor permanent geöffnet. Meine „Unart“ mindestens 60 geöffnete Safari-Sitzungen zu benutzen sollte ebenfalls schnell ad Acta gelegt werden. Flash war mit mir eh nicht zu machen, im Notfall konnte ich ja Google Chrome verwenden, das tat ich so schon seit Jahren und Java gab’s bei mir auch nicht. VMware war ab sofort nicht mehr zu gebrauchen (kein Wunder) und so verlagerte ich meine komplette Testumgebung (Ubuntu/Windows Server für FileDirector) wieder in’s Rechenzentrum in HyperV. Naja, alles etwas ärgerlich. Aber irgendwie kam ich zurecht.

Mehrere Spuren in Logic zu beackern war nur mit hoher Latenz möglich. Nicht schön, aber machbar. Naja. Doch nicht so. Das äußerte sich darin, dass ich schon bald keine Musik mehr gemacht habe. Ich hatte mich halt damit arrangiert, auf alles zu verzichten, was Spaß macht.

Bis mein Chef wieder auf die Idee kam, dass wir für ein neues Produkt wieder einen neuen Videofilm brauchten. Mit meinem Kollegen nehme ich regelmäßig Screencasts auf. Wenn man die VM jetzt auf einer alternativen Kiste per RDP einbindet geht auch die Aufnahme von Ton und Videosignal gleichzeitig. Was jedoch anschließend überhaupt nicht ging: Final Cut.

Das, was ich zuvor in gut 1-2 Stunden fertig gemacht hatte, brauchte Zeit, bis in den nächsten Morgen hinein. Ich arbeitete durch. Die Kiste ackerte und ackerte, renderte und rechnete, schrieb und überschlug sich fast dabei. Auch die Bearbeitung im Schnittfenster selbst war katastrophal. Es war eher ein Tasten im Dunkeln als ein entspanntes Arbeiten. Ob ich den Frame richtig erwischt hatte, konnte ich wohl erst später im fertig gerechneten Video feststellen. Ich begann wieder, mit Zettel und Stift zu arbeiten. Ich wägte ab, ob ich den Fehler korrigieren wollte oder ob der Aufwand zu groß sei. Alles in allem ein Ergebnis, mit jenem ich höchst unzufrieden war. Aber es ist online und wird gesehen. Offenbar haben die Betrachter nicht mein Auge.

Es reichte. Schluss, aus!

Und hier beginnt unsere kleine Geschichte.

Eine Alternative musste her. Firewire Platte mit Videomaterial samt Thunderbolt-Adapter eingepackt und ab in den nächsten Apple-Store. Der war in Düsseldorf. Umschauen kannst Du Dich da ja nicht lange, stellte joe fest, denn in kurzer Zeit hast Du einen dieser doperauchenden, zotteligen Bombenleger mit Birkenstocksandalen an der Backe. Seiner ist „Michael“. (Name geändert). Trägt ein T-Shirt mit einem Apple-Logo, auf dem Rücken einen coolen Werbespruch, eine schwarze, zu lange Jeans, ein Schildchen mit seinem Namen um den Hals und hat tatsächlich Birkenstock-Sandalen und Socken an. Er hat deutliches Übergewicht, wie Joe.

Michael säuselt: „Hallo, mein Name ist Michael, brauchst Du etwas Hilfe von mir?“

Joe knurrte: „Offenbar muss ich vorher erstmal eine Bank überfallen, bevor ich Dich um Hilfe bitten kann!“

Michael war besorgt. Offenbar dachte er darüber nach, ob er die Security informieren musste, besann sich jedoch gleich darauf wieder.

Michael: „Alle Geräte haben ihren Wert, Du bekommst ja auch eine Menge für Dein Geld. Lass uns doch erst einmal klären, was Du überhaupt vor hast. Wozu willst Du Deinen neuen Mac überhaupt einsetzen?“

Joe: „FinalCut. Also brauche ich das Untenrechtsmodell.“

Michaels Augen begannen zu leuchten. „Oups! Err, ich meine, oh, das ist ja toll! Wir haben hier eine Menge für Dich. Der neue iMac 5K…“

Joe unterbrach ihn: „… ist nichts für mich. Mein Late2009 hat wegen Kühlungsproblemen gerade das zeitliche gesegnet. Ich will sowas nicht!“

Michael’s CPU begann hörbar zu rasseln. Es dauerte etwas.

Er überlegte sich eine Antwort: „Wir können es mal mit einem MacBook Pro Retina versuchen!“

Joe fragte: „Wieso kein Mac Mini?“

Michael: „Weil es da keine QuadCores gibt und die für Dich dann doch etwas Mau auf der Brust sind.“

Joe stellte erstmals fest, dass Apple dem Mac Mini seine Existenzberechtigung genommen hatten. Alles unter einem Vierzylinder würde er sowieso nicht fahren wollen.

Joe fragte nach: „Bitte? Es gibt keinen Quadcore Mini mehr?“

Michael: „Korrekt. Da Du keinen iMac willst, ist die günstigste Möglichkeit derzeit ein MacBook Pro Retina mit 15″ Display.“

Stimme aus dem Off: „Ritschratsch-Katsching: Ihr geplantes Budget i.H. v. EUR1500,- ist soeben geplatzt!“

Joe hustete: „OK, ich brauche mal etwas Zeit mit dem Ding. Gibt’s hier einen mit FCPX?“

Michael: Du kannst Dir einen aussuchen. Ich würde an Deiner Stelle diesen hier nehmen.

Joe’s Ironie stellte fest: „Super. Das ist der preiswerteste.“

Stimme aus dem Off: „Ritschratsch-Katsching: Denken Sie über eine Finanzierung nach!“

Griesgrämig holte Joe seine Festplatte und den Thunderbolt Adapter aus dem Rucksack und fragte nach einer Steckdose für das Firewire Gehäuse, die ihm bereitwillig angeboten wurde. Eine Minute später blätterte er mit dem Finder durch die Struktur und öffnete eine Library, die er kannte. Ein Filmprojekt über ein Partnertreffen, welches mit minderwertiger Kamera und 720P gefilmt wurde. Nichts besonderes, aber die Exportzeit und die Rechenzeiten hatte er im Kopf. Nach kurzer Zeit begann FCPX mit dem Import und dem Berechnen der Proxycodes.

Joe stellte fest: „Das soll schnell sein? Was ist das? Ein Witz?“

Michael: „Das schnellste MacBook Pro, was wir derzeit haben. i7, 512GB Flashspeicher und 16GB RAM.“

Joe: „Hast Du ein paar Eier und etwas Bacon? Die können wir hier für’s Frühstück fertig machen. Das geht so nicht. Der ist ja noch nichtmal mit dem Import fertig. Und es sind schon 10 Minuten rum!“

Michael: „Du wolltest ja keinen iMac. Es ist halt ein mobiler Rechner.“

Joe: „Oh Gott, das ist ja furchtbar. Schau her, ich kann noch nicht mal durch die Timeline fuzzeln. Wenn ich jetzt hier zwei Filter drauflege, dann ist Schluss!“

Michael: „Mir schwant, Du hast recht gehabt mit Deiner Begrüßung.“

Joe: „Womit?“

Michael: „Banküberfall.“

Stimme aus dem Off: „Ritschratsch-Katsching: Wir müssen erst einmal Ihren Bonitätsindex überprüfen.“

Joe: „Siehste! Final Cut ist scheisse. Wo stehen diese komischen, schwarzen Tonnen?“

Michael: „Da drüben.“

Wortlos brach Joe den Importprozess ab, Schloss Final Cut und baute seinen Krempel wieder ab.

Michael: „Den kleinsten haben wir derzeit nicht da. Das hier ist das 8-Kern Modell mit der großen Grafikkarte.“

Joe: „Steckdose?“

Ein wenig später schloss Joe alles wieder an und begann die Prozedur von vorne. Das Video war in kurzer Zeit mit Filtern belegt, geschnitten und exportiert. Dabei ist nicht ein Frame verloren gegangen. Durch die Timeline konnte man ohne Ladeverzug scrollen. Es war alles butterweich.

Joe, ziemlich geknickt: „Ich bin bedient“

Michael: „Nachvollziehbar.“

Joe: „Und jetzt?“

Michael kleinlaut: „Du brauchst einen Mac Pro. Tatsächlich.“

Joe: „Ich geh dann mal besser. Das ist zu hoch für mich. Danke!“

Ende der Geschichte.

Vielleicht ist jetzt nachvollziehbar, das ich im Moment nicht die beste Laune habe… Ich habe versucht, meinen Frust nicht an Michael auszulassen, das ist mir in Ansätzen auch gelungen. Michael hat mir dann ja auch auf mercateo.com gezeigt, was ein einzelner Xeon-Prozessor kostet. Oder eine vergleichbare FireGL Grafikkarte und da sind auch noch zwei davon drin. Für den verbauten Xeon-8 Zylinder kann ich mir alleine schon 3 MacBooks kaufen. Packt man die Grafikkarten oben drauf, den Hauptspeicher auch noch und den PCIExpress Flashspeicher kommt man zum Ergebnis, dass der Mac Pro sogar ein Schnäppchen ist. Der Preis ist fair. Tatsächlich.

Doch für mich ist er unerreichbar.

Zeit für einen Hackintosh? So einen, wie @klein2 ihn gebaut hat? Nichts für mich. Ich will keine kext patchen. Ausserdem nutzt FCPX die FireGL’s ja auch komplett für die Filter. Im Moment bin ich einfach nur bedient. Naja. Er steht jetzt auf meiner Wunschliste. Neben dem DasKeyboard und dem Qnap, was ich mir schon seit einiger Zeit wünsche.

Fazit: Es fehlt was. Ein Desktop Mac, den man sich leisten kann. Irgendwas zwischen einem Mac Mini und einem Mac Pro.

By | 2015-04-27T22:43:34+00:00 26.04.2015|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Apple, da fehlt was im Regal!

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John Lose
John Lose ist Informationstechnologe und Datenreisender. Manche mögen ihn als "Aluhut-Träger" bezeichnen, denn er mag nur kleine Rechenzentren, die er selbst kennt. Public Clouds kommen für Ihn höchstens für Webseiten in Frage. John ist Katzenliebhaber, hat aber keine Katze, fährt gerne nach Südfrankreich und hört Tech-House. Mehr über John Lose erfährst Du in seiner Vita.  Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, so kannst Du auch Danke sagen, wenn Du möchtest:  >> Dankeschön <<.