Abschied von Helmut #Kohl: Liebe, Freundschaft, Zuverlässigkeit, Respekt, Frieden – Einheit. Gemeinsam. #Europa

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Abschied von Helmut #Kohl: Liebe, Freundschaft, Zuverlässigkeit, Respekt, Frieden – Einheit. Gemeinsam. #Europa

Ich sehe den Abschied von Helmut Kohl im Fernsehen. Gemeinsam mit einem Menschen, dessen Lebensmittelpunkt Kiev ist; welcher zur besseren Verständigung und Diplomatie der Völker untereinander beiträgt. Wir sitzen im friedlichen, in französischen Flaggen geschmückten Düsseldorf. Wir schauen auf den wunderbaren Rhein, während in der Oblast Donezk immer noch ein grausamer Krieg stattfindet. Wir sind bewegt, aber uns geht es gut.

Ich habe nie darum gebeten, in Deutschland geboren zu sein. Ich kann nichts dafür. Ich hätte genauso in Nordkorea auf diesen Planeten geplumpst sein. Ich bin ein Mensch, genauso wie alle anderen Erdenbürger auch. Ich bin nicht nur Deutscher, ich bin besonders ein Europäer. Ich bin geboren in Friedenszeiten. Ich habe nicht, wie meine Eltern, wie meine Großeltern und deren Freunde, die schrecklichen Jahre des Krieges oder dessen Nachwirkungen miterlebt.

Mein Macbook funktioniert und ich habe ein gutes WiFi-Netzwerk, neben mir steht einen Gin-Tonic und der Regen hat aufgehört und ich kann wieder von Oberkassel aus über den Rhein nach Düsseldorf blicken. Ich fühle mich – trotz ärgerlicher Blicke – genötigt, ein paar Zeilen aufzuschreiben.

Ich habe nicht vom Zigarettenhandel leben müssen und ich habe nicht nach Stuppen suchen müssen, weil alles, was den schrecklichen Winter wärmer machen konnte, schon verbrannt war. Ich habe niemals auf einem Fahrrad Wellblech und Pappe in eine Dacha, mitten in der Lüneburger Heide bringen müssen, damit es nicht hineinregnet. Mein Herz hat keinen Schaden nehmen müssen, weil ich eine Bombenexplosion an der Weser erleben musste. Ich habe niemals Durchfall bekommen, weil die Pfannenkuchen mit Rizinusöl gemacht wurden. Und ich habe niemals frisches Brot einlagern und deshalb älteres Brot essen müssen, weil das frische Brot viel zu schnell und mit zu viel Heißhunger die Vorratskammer in die Mägen meiner hungrigen Tanten verlässt.

Ich habe niemals miterleben müssen, wie sich zwei Armeen in der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland gegenüber standen und nur ein Funke, eine falsche Regung dafür sorgen würde, dass über Europa erneut unfassbar großes Leid hereinbricht.

Stattdessen kann ich zu einem Bäcker gehen und frisches Brot bekommen und ich kann es sofort essen, wenn ich möchte. Aber ja, ich ärgere mich sogar darüber, dass Croissants in meinem Land nicht so sind, wie ich es gewohnt bin, aus den Dörfern rund um die so von mir geliebte Kleinstadt im Süden Frankreichs, so sehr wünsche ich mir in meinem Krefeld doch einen -echten- französischen Bäcker. Manchmal wünschte ich, ich könnte diese schöne Sprache genauso gut sprechen, wie ein anderer Mensch, der mir genauso sehr am Herzen liegt. Aber ich werde älter und mein Lernen wird langsamer. Damit muss ich mich abfinden.

Mir geht es gut.

Noch. Demokratie ist für mich eine Selbstverständlichkeit, genauso ist es für mich eine Verpflichtung. Ich murre und bin mit vielen Entscheidungen meiner Politik nicht einverstanden, besonders mit der aktuellen Großkonzernpolitik und der vielen Lobbykräfte. Dennoch freue ich mich über so viele gute Errungenschaften, unserer Moralverständnis und unsere europäischen Gemeinsamkeiten.

Sicher, mit Argwohn habe ich einiges in Helmut Kohl’s Wirken im Nachhinein betrachtet. Eine Zeit lang sogar wollte ich ihm seine Leistung aberkennen. Nicht nur die Spendenaffäre, Treuhand/Leuna oder die Nähe zu einem Waffenhändler waren mir ein Dorn im Auge. Es gab einiges mehr, mit dem ich wirklich nicht einverstanden war. Sicher, diesen Groll gegen ihn haben viele. Viele sagen auch, andere und nicht er hätten diese europäische Leistung erbracht. Nun, zumindest letzteres ist nicht ganz wahr, auch wenn ich jene Wortwahl in meinem Ärger über ihn schon selbst getroffen habe: Sicherlich gab es Schützenhilfe, besonders auch durch den Mann im gelben Pullunder, doch die langen Gespräche und das Wirken und das intensive Netzwerken, manchmal auch seine verbissene Sturheit, das ist besonders sein Verdienst – ein gutes Ergebnis, ohne sein Mitwirken hätte es das nicht gegeben. Es brauchte jemanden, der das so vorantreibt. Und das hat er sehr gut gemacht. Deshalb behalte ich ihn so in meinem eigenen Bild, ein wohlwollendes Bild – welches dem Blick anderer, großer Europäer auf das heutige Deutschland gleicht. Man soll nicht im Groll gehen. Und den habe ich auch nicht mehr. Das positive Ergebnis, Europa, unser gemeinsames Haus bleibt mir in meinem Herzen. „Entscheidend ist, was hinten raus kommt.

Manchmal glaubte ich auch, man hätte einiges nach der Wende anders machen sollen. Sehr wohl lausche ich dem, was ich aus dem Osten der Bundesrepublik höre und sehr wohl ja, es war – mitnichten – alles schlecht in der DDR und wir hätten mehr von den Ostdeutschen Traditionen mitnehmen sollen. Ich verkannte jedoch auch, wie schwer Diplomatie zur damaligen Zeit war und dass es eine ganz besondere Leistung war, dieses Deutschland und dieses Europa zu gestalten, gegen alle Bedenken der anderen.

Helmut Kohl’s Wirken war nicht nur die deutsche Einheit. Er hat Deutschland in der und in die Europäische Einheit, die Europäische Union bewegt. Er hat in Europa dafür gesorgt, dass das Wort und das Versprechen und das Vertrauen und besonders gegenseitiger Respekt in die Welt getragen wurde. Ohne Helmut Kohl’s Netzwerke, seine Gespräche und seine Aufbauarbeit hätte ich vieles im Leben niemals erleben können. Einander die Hand reichen steht symbolhaft für die Europäische Union.

©Wolfgang Eilmes/DPA/MAXPPP ; Historical gesture: French president Francois Mitterand and chancellor Helmut Kohl reach out their hands to each other above the graves of Verdun on 22 September 1984.

Besonders diese Freundschaft zu Frankreich, seinem Freund und seinem Weggefährten Francois Mitterand, werden mir immer in Erinnerung bleiben. Er hat sich um alle gesorgt und er hat sich um jeden, selbst die vermeintlich kleinsten gekümmert. Auf Kohl war in besonderem Maße Verlass. Sein Wort galt für alle Freunde in Europa. Sein Versprechen galt, besonders auch dann, wenn seine Entscheidungen für Europa und für seine europäischen Freunde seiner eigenen Parteipolitik und seinen Wählern im Wege standen. Auf ihn und damit auch auf Deutschland war immer Verlass. Er stand für die Öffnung Deutschland, für das Empfangen von Freunden mit offenen Armen. Im Namen von Deutschland steht Verantwortung, Verlass, Treue, Zuverlässigkeit. Das moderne, heutige Deutschland.

Treue, Zuverlässigkeit

Das sind Tugenden, die in diesen Jahren viele gewählte Regierungsvertreter vermissen lassen. Es sind Menschen, vor jenen ich Angst habe. Menschen, welche selbt mit Angst, falschen Versprechen und mit sehr einfachen Antworten aber besonders sehr falschen Worten regieren und Wahlen gewinnen. Und auch in unserem Land, nicht nur in Polen, Ungarn, England, der Türkei, Russland, den USA und einigen anderen rumort es. Abschottung und Hass sind ein Tumor, ein Krebsgeschwür. Es fällt mir schwer, Menschen, die solchen Antworten glauben schenken, zu begegnen. Wenn ich britische Regenbogenpresse lese, dann kommt’s mir hoch. Wenn ich höre, was besonders eine politische Partei in meinem Land von sich gibt, dann wird mir übel.

Ein paar Monate zuvor stand Europa erneut an der Grenze zur Katastrophe. Denn wäre Le Pen mit FN eingezogen, so hätten wir einen wahren Freund verloren und es wäre schwer geworden, ihn zu retten. Um so mehr freue ich mich über die Worte von Macron in Strasbourg: Jede einzelne seiner Ausführungen und seiner Gesten nehme ich in mein Herz auf. So sehr, wie das eine Land aus dem er kommt, welches ich so sehr mag.

Neben meinem Wohnhaus im konservativen, friedlichen, bürgerlichen Königshof sind Menschen aus Osteuropa eingezogen. Es wurde wieder einmal gesagt, „oh Gott, das muss ja schrecklich sein!“ Mitnichten, kann ich Dir sagen. Ich freue mich, wie ich die Kinder spielen höre und ich freue mich über jedes Winken aus dem Nachbarhaus. Es ist ein wenig lauter geworden und es ist ein wenig mehr Leben in meine Straße eingekehrt. Jedes Mal, wenn ich das Wort „Zigeuner“ höre, fährt es mir in’s Mark. Jedes Mal, wenn ich eine abfällige, allgemein gehaltene Bemerkung über Menschen zum Beispiel aus dem arabischen Raum oder einer anderen Kultur höre, tut es mir weh. Jedes Mal, wenn ich eine abfällige Bemerkung über Europa höre, trifft es mich in der Seele. Überlegt, was Ihr sagt und denkt darüber nach, wie Ihr es sagt. Und hört verdammt nochmal mit diesem dämlichen Blödsinn auf, wenn ich in der Nähe bin!

Die ewig gestrigen, welche sich nicht nur abschotten wollen, sondern auch an den (vermeintlich „westlichen“) Werten unseres geeinten Europas scheitern, sind für mich bedauernswert. Sie meinen, sie würden für die Mehrheit der Deutschen sprechen. Ein wahnwitziger Irrglaube. Ein Trugschluss! Um so mehr freue ich mich darüber, dass endlich auch in Deutschland das Wort „Homo-Ehe“ und die Diskussion um jenes endlich zur Vergangenheit gehören wird – schließlich gehe ich ja auch nicht in einem „Hetero-Supermarkt“ einkaufen.

Ich merke, es gibt Menschen, die haben nicht dieselben Bildungschancen bekommen, wie ich. Je länger ich auf diesem Planeten bin, desto mehr merke ich, wie viel Wissenselemente und Bildung mir tatsächlich fehlen. Es sind Menschen, welche nie Kulturen dieser Länder kennengelernt haben, welche aber meinen, alles und besonders „Die Wahrheit“ zu kennen. Um so deutlicher fällt mir auch auf, wie sehr ich an der medialen Kompetenz dieser Gruppe zweifle, wenn ich in die sozialen Medien blicke. Krefeld selbst ist ein gelungenes Beispiel von Integration. Vielleicht bin ich auch deswegen so dankbar, dass ich mit Krefeld einen Teil Europas kennengelernt habe. Mit allen seinen Kuriositäten, Irrungen und Wirrungen aber besonders mit allen seinen Vorzügen. Ich merke, es gibt auch in meinem Land wieder den Wunsch zur Abschottung und Abgrenzung. Eine neue Angst kommt auf. Eine Angst, welche in jedem Menschen anderer Herkunft vermeintlichen Terror oder vermeintliche Schmälerung der eigenen Wirtschaftskraft sieht. Dabei sind es Menschen, die vor kriegerischer Auseinandersetzung und dem Terror selbst oder vor den ökonomischen Auswirkungen der Großkonzerne fliehen. Diese Menschen sind besonders eines: Eine großartige Chance zur Verbesserung der eigenen Wirtschaftskraft. Menschen, welche uns neue Arbeitsplätze bringen. Es sind Menschen, die besser leben wollen. Menschen, die sehen, welche besonderen Errungenschaften ein geeintes Europa mit sich bringt: Frieden, Gemeinsamkeit, Zuverlässigkeit.

Nie wieder Krieg, dafür steht Europa!

Menschen jedoch, welche die Tugenden von Europa aberkennen, Menschen welche sich abschotten, Menschen jene das zerstören wollen, was andere aufgebaut haben, die ängstigen mich. Menschen, die als allererstes eine abwertende Haltung gegenüber allen vermeintlich „Nichtdeutschen“, Fremden haben, gehören für mich nicht hierher. Diese sind fremd für mich. Diese Menschen schädigen die Wirtschaftskraft meines Landes, sie gefährden besonders meinen Arbeitsplatz und jenen meiner Freunde. Als glühendes Beispiel für diese Logik gilt für mich die bedauernswerte Stadt Dresden und dessen Bundesland, welches unter dem Einfluss der ewig gestrigen Minderheit unter den eigenen Europäern auch wirtschaftlich in besonderem Maße leidet. Diese ewig gestrigen, besorgten Bürger, sind brandgefährlich für meine Zukunft. Ich will meine eigene Zukunft und ich will Europa behalten. Deswegen streite ich mit ihnen. Wenn sie meine Standpunkte nicht verstehen wollen, dann meide ich sie. Ich mache jeden darauf aufmerksam, dass mich jede abwertende Respektlosigkeit gegenüber anderen sehr verletzt. Menschen, die solch abwertende Haltungen im wiederholten Male mir gegenüber äußern, bemerken mich weiterhin meist freundlich, aber im Inneren habe ich sie längst verloren. Ich schätze diese Menschen nicht und ich wünsche sie nicht in meiner Nähe. Nicht, weil ich mich für etwas besseres halte, sondern weil sie mir weh tun.

Ich bin froh, genau hier, in dieser Stadt, in diesem Bundesland, in dieser Republik, in meinem Europa leben zu dürfen. Voller Demut wünsche ich mir, dass mein geliebtes Europa nicht nur so bleibt, sondern stärker wird. Sicher, es müssen dringend neue, modernere Spielregeln her. Deswegen ist konstruktive Kritik angebracht. Es sollte eine Selbstverständlichkeit werden. Dafür werde ich mit meinem teils frechen Mundwerk alles tun, was notwendig ist. Ich werde jeden darauf hinweisen, wie wichtig mir Europa ist. Ich werde versuchen, zu erinnern. An die deutsche Geschichte. An die Europäische Geschichte. An die jüdische Geschichte und die derer Menschen, die wir so sehr verletzt haben. Und ich weiß auch, dass wir Menschen verletzen, wenn wir nicht erinnern, und wenn wir dieselben Fehler erneut machen. Ich werde nicht vergessen, das ist mein Versprechen.

Und deshalb danke ich Dir, lieber Helmut. So habe ich meinen eigenen Frieden mit Dir. Denn die deutlich überwiegende Erkenntnis und dieses Bild von Dir bleiben: Dankbarkeit und Demut für Deine Leistung, gemeinsam mit Deinen Freunden und besonders durch Deine Freunde, welche auch symbolhaft meine Freunde sind. Europa ist die Leistung vieler mit einem Ziel, unsere gemeinsamen Tugenden.

Liberté, Égalité, Fraternité – Amitié européenne!

Das ist mein Versprechen an Dich, lieber Helmut.
Das ist mein Versprechen an alle Europäer.

Ruhe in Frieden.

John

By | 2017-07-01T19:44:30+00:00 01.07.2017|Kultur, Meinung|Kommentare deaktiviert für Abschied von Helmut #Kohl: Liebe, Freundschaft, Zuverlässigkeit, Respekt, Frieden – Einheit. Gemeinsam. #Europa

About the Author:

John Lose
John Lose ist Informationstechnologe und Datenreisender. Manche mögen ihn als "Aluhut-Träger" bezeichnen, denn er mag nur kleine Rechenzentren, die er selbst kennt. Public Clouds kommen für Ihn höchstens für Webseiten in Frage. John ist Katzenliebhaber, hat aber keine Katze, fährt gerne nach Südfrankreich und hört Tech-House. Mehr über John Lose erfährst Du in seiner Vita.  Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, so kannst Du auch Danke sagen, wenn Du möchtest:  >> Dankeschön <<.