@sonos – und was es mit mir gemacht hat – recently. #sustainability

Es soll – so habe ich gehört – sinnvoll sein, über Fehler zu sprechen. Das sorge für ein befreiendes Gefühl und man bekommt auch Hilfe angeboten. Nun, in diesem Fall ist mein Fehler ziemlich teuer. Denn:

Ich habe unlängst eine Email bekommen von meinem bislang bevorzugten Anbieter für Multiroom-Audiokomponenten der oberen Mittelklasse. Dieser besagte Anbieter teilte mir mit, dass einige meiner Geräte nicht mehr mit Updates versorgt werden.

Ein Artikel über den Vertrauensverlust eines Unternehmens, wie man in MarCom vollends versagt, wie man seine Zielgruppe bewusst verkennt, und wie Nachhaltigkeit garantiert nicht funktioniert.

tl;dr: They do have a killswitch.

Das ist ein Sonos Play 5. Einer der besten Multiroom-Lautsprecher, den man sich für Geld kaufen kann konnte:

Bis in 17 Tagen. Dann wird er zerstört. Vollautomatisch. Per Software. Er wird zum Briefbeschwerer. Und ich darf ihn dann entsorgen. Ich kann ihn noch nicht einmal einschicken, so dass ich das Gefühl habe, seine Einzelteile sind in irgendeiner Form noch etwas wert.

Obsoleszenz per Knopfdruck

Ich möchte anmerken, dass ich über die Dauer einer Dekade eine gewisse Bindung zu diesem Lautsprecher aufgebaut habe, sofern man das so sagen kann. Er spielte nicht nur Musik in erstklassiger Qualität ab, sondern versorgte mein Arbeitszimmer auch mit aktuellen Nachrichten und zuletzt mit einem Hörbuch von Edward Snowden.

Einen monetären Wert hatte dieser Lautsprecher noch – vor einem Monat. Auf dem Gebrauchtmarkt in etwa von EUR 275, jener Wert dessen Features und Klangqualität in keiner Form gerecht wird. Jetzt ist dieser Preis auf den Gebrauchtmärkten in diesem Netz auf unter 100 Euro gefallen und er befindet sich noch weiter im Sinkflug. Ich bekomme also quasi nichts mehr dafür, wenn ich ihn verkaufen möchte. Das ist bei Sonos-Produkten neu.

Dieser Lautsprecher hatte allerdings auch einen symbolischen Wert: Meine Eltern schenkten mir jenen Ende 2010 zu Weihnachten.

Der Ursprung des erwähnten Preisverfalls ist eine Ankündigung von Sonos, dass dieser Lautsprecher (nebst einigen anderen Produkten des Herstellers) im Mai keinerlei Softwareupdates mehr bekommen wird. Angeblich sei dessen Prozessor und Speicher zu schwach ausgelegt.

Der Technologe unter meinen Lesern zuckt bestimmt mit den Augenbrauen und denkt sich – Nunja, das Rincon-Protokoll lässt einen Audio-Proxy generell zu. Im Grouping-Verfahren übernimmt ja auch nur ein einzelner Speaker das Processing und der Rest spielt strunzdoof die Musik von diesem ab. Wieso eigentlich soll das zukünftig mit „Legacy“-Devices unmöglich sein, wenn sich mindestens ein „modernes“ Gerät im Netz befindet?

Ich bin bei Software „etwas eigen“ und höchstwahrscheinlich auch der einzige, völlig wahnsinnige Nutzer in diesem Land, der sich um die Aktualität der Software aller Geräte in seinem Haushalt Gedanken macht. Ich teile die illusorische und völlig bescheuerte Annahme, dass veraltete Software auf meinen Geräten den Angriffsvektor deutlich vergrößert. Man könnte auch sagen: Schönes System haben Sie da. Wäre doch schade, wenn dem etwas zustößt… (Ja, auch wenn die Dinger alle in Aruba Airgroup eingepackt sindverdammt noch einsnennt mich meinetwegen paranoid). Die fiktive Änderung der API von Spotify, Primephonic oder Tidal in der Zukunft ist da für mich ebenfalls ein bemerkenswertes Problem.

Nun sind in diesem Haushalt nicht nur dieser Play 5, sondern drölf andere Geräte. U.a. diverse Play:1, Play3, Sub, Playbar, sogar IKEA Symfonisk (noch) putzmunter. Das ganze System hätte mit schon einer veralteten Hardware keinen Sinn gemacht. Und auch wenn Herr Spence noch so nette Zeilen schreibt (Link), das Legacy-System wäre für mich angreifbar und obsolet, selbst wenn man es vom neuen System trennen würde, aus zuvor genannten Gründen.

Also bin ich im Onlineshop von Sonos „etwas“ eskaliert, um wenigstens noch „etwas“ Kapital aus dem vorhandenen System zu schlagen.

Das ist also sein Nachfolger. Der Sonos Play 5 Gen 2:

Ich habe ihn zum völlig wahnsinnigen „Vorzugspreis“ von EUR 579,00 abzüglich 30% erhalten, weil ich dem Angebot nachkam, dessen Vorgänger deaktivieren zu lassen. Ich hätte auch bei Amazon insgesamt 50 Euro mehr ausgeben können, und der alte Play:5 wäre nicht zerstört.

Seit diesem Zeitpunkt fühlt sich das hier alles in etwa so an:

a) Irgendwer hat mich gewaltig verscheißert
b) Sonos ist nicht mehr das, was es mal gewesen ist
c) Greta Thunberg haut mit einem riesigen Hammer fluchend auf meinen Denkapparat (mit Recht)

Es fühlt sich beschissen an, diesen neuen Lautsprecher zu benutzen.

Ich habe bislang immer gesagt, nimm Sonos und nix anderes. Bei Sonos funktioniert alles auch noch nach 10 Jahren und Du kaufst nix für die Tonne. Das war eine Fehleinschätzung und ich entschuldige mich hierfür bei allen, denen ich gegenüber diese Aussage gemacht habe. Ich kann Dir allerdings auch keine einzige Alternative aufzeigen, bei denen das besser läuft. Und nein, Teufel ist nix für meine Ohren. Das ist grausam.

Auf Reddit (Link) gibt es eine schöne Gegenüberstellung von Sonos-Endgeräten, inklusive CPU und RAM – also den Kennziffern, anhand Sonos die „veralteten“ Geräte definiert.

Hätte ich diese Grafik vorher gesehen, hätte ich vermutlich alle vorhandenen Komponenten verkauft, denn mir eine neue Play:5 zuzulegen. Ein Großteil meiner noch verbliebenen Hardware von Sonos ist offensichtlich ebenfalls ziemlich nah dran an der Obsoleszenz.

Das alles ist in etwa vergleichbar mit dem Betreiben eines Diesel-Kackstuhls von Herrn Diess oder Herrn Zetsche. Versteht mich nicht falsch, der neue Play 5 hört sich sehr gut an, und er bietet alle Features, die ich mir von Sonos wünsche. Allerdings tat das der alte Lautsprecher auch.

Machen wir uns doch nix vor. Die größte Zielgruppe von Sonos sind Menschen, die das OSI-Layer in Ansätzen begreifen (und damit auch die Funktionsweise von Sonos). Wenn Du sowas mit Deiner wichtigsten Zielgruppe machst, kannst Du das nur einmal tun. Dann sind Deine Kunden weg. Mir dünkt, Sonos hat diesen Zusammenhang nicht begriffen. Mir dünkt auch, wenn Sonos so etwas heute macht, machen die das auch in Zukunft.

Dazu kommt, dass die gesamte PR-Abteilung bei Sonos eigentlich sofort entlassen werden müsste. Dieses Kommunikationsgebaren und das „Hinterm-Berg-Halten“, die Veröffentlichungsmethodik und das Wording ist derart unterirdisch, wie ich es bislang noch nicht einmal bei Samsung erlebt habe.

Stellt sich heraus: Der Vertrauensverlust und die Folgen dieser Entscheidung war tatsächlich so geplant (Link). Mir fällt dazu eigentlich nur folgendes ein: WTF? Habe ich da wirklich meine Audio-Hardware her? Bin ich eigentlich völlig wahnsinnig, dort einzukaufen? Hab‘ ich sie wirklich noch alle?

Nein, mir ist klar – das stinkt von oben. Das ist keine technische Entscheidung. Es ist eine rein auf extrem kurzfristigen Gewinn kalkulierte Rechnung. Es gibt leider so Möchtegern-Chef’s, die können mit nur einer Entscheidung das ganze Unternehmen oder ein Produkt zerstören, das hab‘ ich schon oft genug erlebt. Leider auch selbst. Es hängt von allem ab. Darunter auch Vertrauen, Nachhaltigkeit und Partnerschaft.

Herzlichen Glückwunsch, wenn Sie bis hierhin durchgehalten haben. Der einzige Tipp, den ich Ihnen – als Belohnung sozusagen – zukünftig mit auf den Weg geben kann: Machen Sie einen möglichst großen Bogen um Sonos.

Die Faszination und die Freude am Hören ist mir ein Stück weit vergangen.

Die Nachricht von Sonos (als Screenshot): Link