Und sonst so? #Medienkritik

In unregelmäßigen Abständen ventilierte ich auf Twitter, was mir denn so in der Gesellschaft der Erdenbewohner den Keks geht oder was ich für bemerkenswert halte. Dem Medium Twitter habe ich den Rücken gekehrt. Einigen, wenigen von Euch scheint meine Schreibe wohl (doch noch) nicht über, mir fehlt ein Ventil für mein Gemüt.

Deswegen will ich mal einen Versuch anstrengen, ein paar Dinge zu Papier zu bringen. Besonders warum ich einiges und einige für völlig Gaga halte. Heute: Medienkritik

Hier steht nichts lesenswertes, höchstens Satire. Und die Frage nach dem „Was soll das?“ wird auch nicht geklärt. Es könnte also ein Risiko für das Wohlbefinden sein, diese Zeilen hier zu lesen. Weil Sie meinen wohlwollenden Hinweis sowieso ignorieren und damit Sie sich gleich auch noch in adäquate Stimmung bringen können, wollen Sie vielleicht beim Lesen der nachfolgenden Zeilen mal diesen Song hier (Link) konsumieren, dessen Refrain ich für passend halte.

tl;dr: Dieses Land hat ein ziemlich großes Problem mit seinen Medienhäusern

Es gibt gerade vielfältige Berichte über den Zustand der Medienhäuser in der wunderschönen Alpenrepublik (inkludiert den „zur Seite getretenen“). Sicher sind Teile der Recherchen auch gerechtfertigt, das mediale Echo halte ich aber – in meinem Land – für völlig übertrieben. Es scheint mir fast so, als sei man glücklich über den Zustand der Medienlandschaft in Österreich, um von den eigenen Problemen abzulenken.

Ich will ein paar Beispiele mit Belegen nennen, welche diese These untermauern und weswegen ich den Whataboutism für absolut nicht angebracht halte, sich in irgendeiner Form über Österreich zu echauffieren.

Anmerkung: Im ZDF läuft dazu – passenderweise – heute Abend der Film „Bombshell“ (Link).

Klickschlampen

Fangen wir mal mit einem kleinen Beispiel an: Der Presseclub will an diesem Sonntag die Frage klären „Energiepreisschock und Klimaschutz: Wie teuer wird’s noch?“ (Link). Im Fokus von Jörg Schönenborn scheinen allerdings exklusiv die Kosten für Gas und Treibstoffe denn das Klima selbst. In Folge dessen muss der sich – über mehrere Minuten – also bis ich abschalte – erst einmal die Welt erklären lassen. Nicht nur wegen der reißerischen Titelwahl stelle ich mir die Frage, ob denn Julian Reichelt den Platz des WDR Programmdirektors neuerdings inne hat.

Meiden Sie Zeitungen mit Fragezeichen in der Überschrift!

Aus der Mücke wird generell ein Elefant gemacht: „Klickschlampen*“-Überschriften, hinter jenen selbst nur ein Bruchteil der eigentlichen Überschrift steckt, nerven. Besonders aber, wenn der eigentliche Text hinter einer Paywall steht. Je lauter und krachender diese Überschriften, desto weniger Interesse habe ich. Allerdings stressen die meinen eigenen, medialen Contentfilter.
*eine Wortschöpfung von Jörg Kachelmann (Link)

Man kann sich auch die Frage stellen, ob die ganzen „Retweetenden“ den Inhalt der reißerischen Überschrift selbst überhaupt gelesen haben. Leute, es ist mir so über, dieser ganze Mist.

Ein Muss offenbar, denn Werbung verkauft sich über Klicks vermeintlich nur, wenn man die Extreme jeden Tag ein Stückchen weiter verschiebt. Dieses Aufgeblasene, inflationär Übertriebene führt nicht nur dazu, dass ich einen Abneigung gegenüber bestimmten Medienhäuser entwickle, ich meide die Katalysatoren selbst – die (a)sozialen Medien.

Es geht mir damit besser.

Springer

Wo wir gerade bei diesem schneidigen Herrn Reichelt selbst sind: Ich habe sehr wohl das Gefühl, dass Roger Ailes (Link) – mit Döpfner und Reichelt verglichen – ein Waisenkind ist. Das scheint aber niemanden von Euch zu interessieren. Und noch weniger, welche Rolle Dirk Ippen (Link) in dieser Sache spielt. Der Umgang mit Juliane Löffler und Katrin Langhans ist beschämend und nichts anderes als eine weitere Feststellung der vielfältigen Probleme unserer Medienhäuser. Die anderen Verlagshäuser im BDZV haben derweil auch endlich „gemerkt“, dass deren Vorstand „leicht problematische Ansichten“ vertritt (Link), werden dagegen aber nichts unternehmen.

Nicht nachvollziehbar ist, dass Springer’s spalterischen Blätter von Euch immer noch – online wie offline – gekauft werden. Ich kann’s nicht oft und laut genug sagen: Jeder Cent, welchen Ihr diesem Verlag in den Rachen werft, schadet meinem Land und der Gesellschaft, welche hier (noch) zusammen leben möchte.

Bevor Ihr Euch denn – wie in der Überschrift erwähnt – in irgendeiner Form über Österreich’s Medien und deren Korrumpiertheit echauffiert, solltet Ihr lieber mal mit Euch selbst und Euren Freunden klären, ob Ihr denn nicht vor der eigenen Haustür – zum Beispiel mit der Wahl Eurer Zeitung – kehren wollt. Der Typ mit den blauen Haaren hat das – vor nicht ganz einem halben Jahr auch schonmal „erwähnt“:

Öffentlich Rechtliche

Ein Problem haben wohl nicht nur die privaten Medienhäuser. Besonders das ZDF, jener öffentlich-rechtliche Sender, welcher besonders bei Klimafragen und Elektromobilität extrem häufig vollkommen daneben liegt (vielfältige Belege u.a. zu #Infraschall + #WEA bei Stefan Holzheu (Link), Martin Hundhausen (Link), zu #EV/Harald Lesch bei efahrer.com (Link)) lässt in dessen Produktionen sehr gerne Menschen auftreten, welche eine „alternative Meinung“ zu wissenschaftlich anerkannten Fakten haben (Link).

In der „langen Nacht der Zeit“ wird Lanz von Böhmermann auf den Missstand angesprochen (Link) – der reagiert fast so, als sei man einem Pudel auf den Schwanz getreten. Natürlich hat Böhmermann recht, doch das will Lanz so nicht stehen lassen: Es müssen ja auch „alternative Meinungen“ Platz haben. Wenn „Meinungen“ allerdings mit Fakten kollidieren, können „alternative Fakten“ sehr wohl Menschenleben kosten. Oder die Wirschaft meines Landes schwächen. Lanz lädt allerdings weiter fröhlich rechtsaußen ein, ohne deren Äußerungen adäquat einzubetten.

Übrigens: Lanz hostet (auch) einen Podcast. Wenn Sie den Philosophen Richard David Precht für bislang vernünftig gehalten haben, besuchen Sie besser nicht diesen (Link).

Freilich sind bei den ÖR nicht alle im geistigen Tiefflug unterwegs. Selbst beim eher „konservativ“ verorteten MDR haben einige schon 2020 begriffen, wie sehr der eigene Sender auf dem Holzweg ist (Link). Sie können ja nochmal versuchen, das Ding mit den „false balances“ Herrn Lanz zu erklären…

Manche ÖR fürchten nichts mehr, denn eine Programmbeschwerde (Link, Formular mit Apple-Safari-Browser nicht nutzbar). Das ZDF selbst ist wohl bislang immun, kann ich aus eigener Erfahrung berichten (Vielleicht möchten Sie sich ja dennoch anschließen).

Doch Österreich?

Ja natürlich gibt’s auch bei uns Mist aus der Alpenrepublik. Red Bull’s CEO Mateschitz taucht zwar öffentlich ungern mit Namen auf (Link) – ein Teil unserer Redakteure haben in diesem Fall ja gottseidank auch „schon“ kapiert, was genau hinter dem Typen steckt.

Ich verkneife mir deshalb möglichst, noch irgendeine Dose mit dessen Logo in einem Supermarkt hierzulande zu kaufen. Mateschitz‘ EU-Breitbartjournallie (Link) „Addendum.org“ hat gottseidank in 2020 aufgegeben, dessen Sender „ServusTV“ erfreut sich allerdings immer noch quirliger Lebendigkeit und ist – natürlich – weit rechtsaussen verortet. Während Bhakdi & Co. bei uns selbst bei den Piefke-Leerdenkern schon alte Hüte sind, haben die Rechten in Österreich das vielleicht noch nicht mitbekommen (Link).

Social Media

Freilich gibt’s noch bösartigere Menschen als Mateschitz, Döpfner und Reichelt: Mark Zuckerberg zum Beispiel. Bei fast jeder Meldung um seinen Konzern geht mir naturgemäß das „Was hat er denn jetzt schon wieder verbrochen?“ durch den Kopf. Und natürlich geht’s nur um’s Geld (Link) und dessen Vermehrung, denn um eine Verbesserung von sozialen Zuständen oder das Wohlbefinden der Menschheit selbst. Im Zweifel immer für den Profit!

Ich hatte ich auch so sehr gehofft, dass die letzten Ausfälle bei dem Konzern (Link) den Leerdenkern hierzulande eine dauerhafte Pause verordnen. Auf die Belege von Frances Haugen (Link) gab’s ja bislang quasi keine Reaktion und wird es auch keine geben. Ihr nutzt ja auch weiterhin Whatsapp und Instagram und meint fröhlich, Ihr hättet keinen Einfluss. Man kann nur hoffen, dass Zuckerberg’s Zukunftspläne mit Meta (Link) weit vor einer Realisierung scheitern. Sollte das klappen, könnte dieser Planet auch sehr gut in Flammen aufgehen. Passend zu dieser Dystopie empfehle ich Ihnen dieses Buch (Link).

Links/Rechts?

Die politische Hufeisentheorie ist wohl nicht mehr passend. Neuerdings müsste auch dem letzten Hinterwäldler sehr wohl klar geworden sein, warum die Linke bei der #BTW21 so phänomenal abschmierte. Von der unlängst erneut in einer Parteiausschlussdebatte erwähnten (Link), zur Superschwurblerin mutierten Wagenknecht kann denn selbst Kimmich (Link) noch etwas lernen. Nicht ein „Argument“ ihrer alternativen Fakten hatte – gottseidank – gegen Lauterbach irgendeine Chance. Fremdschämen-Galore, es war fast schon nicht mehr zu etragen: Statt sich den Weg nach hause zu buddeln legte die NRW Spitzenkandidatin der Linken mehrfach nach. Am Folgetag sind natürlich alle peinlich berührt (Link). Auch Karl Marx wäre – mit Sicherheit – nicht einverstanden.

Allerdings muss man – genau wie Böhmermann – auch immer wieder die Frage stellen, wieso die Öffentlich Rechtlichen genau den Menschen mit gefährlichen „Meinungen“ immer wieder ein Bühne bieten, ohne adäquat einzuordnen (Link). Im aktuellen Beispiel Wagenknecht hatte Anne Will für die notwendige Opposition zur gefährlichen Meinung zwar gesorgt, vermisste es aber häufig selbst adäquat einzuordnen und überließ die – wirklich ermüdende – Arbeit Karl Lauterbach.

Fehlender Kompass

Ich kann schon nachvollziehen, dass es aufgrund der vielfältigen, medialen Irrungen und Wirrungen bei einigen Bürgern zu „Fehlentscheidungen“ kommt, sich z.B. nicht impfen zu lassen. Je nachdem, in welcher Social-Media-Filterblase sich der Proband befindet, ist die Faktenlage eh schon unscharf. In sofern sollte man schon anraten, wenigstens den „Verantwortungs-Kompass“ der in den öffentlich-rechtlichen ausgestrahlten Talkshows in Ansätzen zu überprüfen.

Man muss dann auch nicht bis zum Avocado-Adolf blicken, um die vielfältigen Verbindungen zwischen der extremen Rechten und den Querdenkern zu erkennen. Der Volksverpetzer hat zum Holocaust-Vergleich der Leerdenker übrigens ein paar passende Anmerkungen (Link).

Die Aussage der rechtsextremen Partei AfD „Der öffentlich-Rechtliche Rundfunk bedrohe die Meinungsfreiheit“ (Link) ist auch unter diesen Gesichtspunkten alles andere als nachvollziehbar. Der ÖR ist – in Szenarien wie diesen – besonders schützenswert. Gerade deshalb sollte man sich zukünftig über die Wahl der Gäste besonders Gedanken machen oder mindestens adäquat einrahmen.

Ergalso:

Die vierte Macht (!)UND(!) die Gesellschaft in meiner Republik sollte ihren Kompass dringend überprüfen. Es muss endlich klar werden, dass mit der finanziellen Unterstützung durch den Kauf von Medien fragwürdiger Verleger; rechten Zeitungen wie Bild, Welt, FAZ, NZZ & Focus auch eine gefährliche Einflussnahme auf politische Entscheidungen und gesellschaftliche Strukturen stattfindet.

Ein Kauf eines Exemplars einer solchen Zeitung hat meines Erachtens mehr negativen Einfluss als die Abgabe eines Stimmzettels für eine extreme Partei. Eine Aussage „man müsse ja schließlich auch wissen, was die Opposition denke“ halte ich für falsch in sofern, als deren gefährlichen Inhalte auch in sozialen und anderen Medien vielfach rezitiert werden. Die Existenz solcher Medien ist vielmehr auch ein Beleg medialer Inkompetenz und mangelnder Bildung der Mitbürger.

Die hohe Zahl von Impfgegnern in meinem Land sind nichts anderes als ein Beleg dieser These. Wundern sie sich also nicht über meinen sehr missbilligenden Gesichtsausdruck, wenn Sie mit einer „Welt“ oder „Bild“ schamlos vor meiner Nase daherwedeln. Und hören Sie bittschön auf, mit dem nackten Finger auf andere (Österreich) zu zeigen.

Ferner will ich Ihnen den Besuch von Übermedien (Link) und BildBlog (Link) an’s Herz legen. Wer lieber Podcasts hört, möge vielleicht hier einmal ein Ohr drauf werfen (Link).

PS:

NRW’s Laumann und Gebauer hatten unlängst angekündigt, die Maskenpflicht in den Schulen für morgen, den 2.11.2021 fallen zu lassen. In einer Phase, in jener die Jüngsten keinen Schutz haben und meine beiden Nichten bei steigender Inzidenz in höchster Gefahr sind. Nachdem eine Mitteilung der Schulverwaltung meiner Stadt (Link) nicht gehört wurde, ist vielleicht eine Strafanzeige gegen Gebauer, Wüst und Laumann sinnvoll (Link).

Machen Sie’s gut für die nächsten Tage!

Falls Sie jetzt schlechte Laune haben, empfehle ich Ihnen ein Katzenvideo (Link). Sollte das nicht helfen, wäre der Titel hier vielleicht passend: (Link).

Titelbild: Pixabay, Robin Higgins (Link)