Mache ich genug? Mache ich das richtig? Mein US-BigTech Unshitification SlopExit

Wenn man mein früheres ich auf dem 2002 Microsoft MVP Summit in Seattle fragt, ob für mich eine Alternative zu Microsoft in Frage käme, würde ich vermutlich mit einem klaren „NEIN“ stimmen. Jetzt (2026), 24 Jahre später, hat sich das Bild gedreht. Und auch mein Bild über Freie Software, Vertrauen, BigTech, USA, Russland. Ich vermute mal, dass ich mit dieser Auffassung nicht ganz alleine bin.

Das Blogpostfoto hat übrigens einen Hintergrund will ich wohl meinen. Das kläre ich aber erst am Schluss.

tl;dr: Ich stelle gerade alles – also auch mich selbst – in Frage. Achtung, Gefahr: Hier folgt ein wildes Durcheinander von Gedanken, die ich einfach mal wegaufschreiben musste.

– Dieser Beitrag wurde noch nicht korrekturgelesen –

Alter, was für ein Blogtitel! Während im Serverumfeld für mich Debian / Ubuntu das normalste der Welt ist, habe ich mehr als eine Dekade lang MacOS als Anwender genutzt, und nur noch einmal einen kurzen Abstecher nach Windows gewagt. Aufgewacht bin ich bei Apple wohl erst, als ich gemerkt habe, wie dermaßen eingesperrt ich in Apple’s goldenen Käfig war. Und Microsoft? Naja, also – mit Verlaub – Microsoft hat da ’ne ordentliche Portion mitgeholfen. Der #Microslop– Exodus scheint ja gerade massenhaft stattzufinden. Vielleicht ist das auch ganz gut so, obwohl ich ungern Bestandteil irgendwelcher Modeerscheinungen bin.

Mit diesen Linux-Nutzern ist das wohl, wie bei Veganern oder E-Fahrern. Woran erkennt man einen? Er wird’s Dir erzählen…

Dieser Windows „Gaming-PC“ (Link), jenen ich 2023 (als RAM noch bei ¼ der aktuellen Kurse lag) eigentlich „nur“ für Star Citizen (Link) angeschafft hatte, ist unter Ubuntu zu einem absoluten Arbeitstier mutiert, an dem ich viel Freude habe.

Die wesentlich spätere Anschaffung (Link) – ein ThinkPad Rechtsuntenmodell – war dann „schon“ mit dem Hintergedanken ausgewählt, eine Hintertür raus, aus dem nächsten Käfig zu haben (Ubuntu Certified Hardware – Link). Geplant hatte ich den kompletten Ausstieg im Letzten Jahr, bevor irgendein Känguru einen Digital Independence Day (Link) im Beutel hatte.

Über beide Geräte spreche ich ausführlich in einem anderen Beitrag (Link), bei jenem ich leider noch die KI verwendet habe, um das Beitragsbild zu generieren.

Ubuntu

Jeder KDE- oder Xfce- Nutzer wird mit dem Kopf schütteln, aber ich bin halt so: Im Moment bin ich von Ubuntu und GNOME (Link) gerade so dermaßen überfahren, dass eigentlich mal gar nichts anderes mehr möchte. Aus Prinzip mal nicht. Ich werde jedes Mal von Dennis darüber aufgeklärt, dass meine Sprechweise falsch ist, und ich stelle immer wieder fest, dass ich überhaupt keine Ahnung von dem ganzen Geraffel habe. Aber: Mich interessieren jetzt Dinge wie „Wayland“. Und GNOME 50. Und natürlich habe ich jetzt auch die allerletze Grafikkarte von Nvidia. Das. War. Das. Letzte. Mal. Aus, vorbei. Jensen, geh, mach Party mit Sam aber lass mich in Ruhe. Und bitte auch den Speichermarkt. Es reicht. Wirklich!

Ich habe mit Shuttleworth kein Problem, so auch nicht mit Canonical. Ich kann dieses Ubuntu (Link) exakt so nutzen, wie ich das möchte (Snap hin oder her). Das „freiere“ oder „unfreiere („je nach Betrachtungsweise) Fedora ist mir zu viel. Und Arch? Viel zu viel.

Ich bin kein IT-Superheld. Ich will das Ding einfach nur benutzen. Es ist wirklich alles in Ordnung, so, mit Ubuntu. Und ich kann mir sicher sein, dass mein ThinkPad (!)immer(!) funktioniert (wenn Strom da ist). Ich liebe dieses Betriebssystem, obwohl ich davon ehrlich gesagt noch überhaupt keine Ahnung habe.

Ich liebe dieses OS nicht nur, weil in Nautilus nicht plötzlich irgendein CoPilot auftaucht, in Textmaker, in Planmaker, in Inkscape oder sonst irgendwo, oder weil Kate nicht plötzlich vor mir wegrennt (also der Texteditor, ich kenne sonst keine Kate) und nicht zurückkommt, weil ich der Store-Plattform den Saft abgedreht habe oder weil mein Cloudagent sich plötzlich nicht mehr mit OneDrive verbindet und oder dort Daten weglaufen, mein Mailer nicht plötzlich sagt, ich müsse unbedingt Mailer 2.0 nutzen, damit alles über die Server von xyz läuft…

GNOME ist einfach wunderschön. Schnell, komfortabel, minimalistisch. Es bedient sich wie mein Auto (ja, das ist auch noch so ein Ding). Es gibt fast nichts, was ich ändern würden wollte. Und Ubuntu macht mit, es ist alles da was ich brauche. Die Updates aller Quellen laufen so herrlich unproblematisch und vor allem läuft nach einem Update immer noch alles. Machen Sie mal mit diesem Windows ein Update…

Anwendungen

Selbstkritik: Und überhaupt, ich werde ja als einzelner keinen Impact machen. Meine Microsoft 365 “Nutzungsrechte“ sind für 5 Jahre im Voraus bezahlt, die für Adobe Lightroom für 3. Ich bin so ein völlig bescheuerter Depp, wenn ich das mal laut sagen darf. Es ärgert mich alles so maßlos, mit diesen riesigen Techfirmen.

Immerhin Chrome ist jetzt weg. Ich habe mich von Webkit im Moment sowieso verabschiedet, weil ich mit Vivaldi und Brave auch nicht gut klar komme. Firefox ist unter Ubuntu – sofern adäquat konfiguriert – trotz anfänglicher Ablehnung meinerseits – jetzt auf einmal doch nicht mehr so grausam. Nach einer Woche Nutzung verstehe ich auch nicht mehr, welches Problem ich (mal) mit dem Ding hatte. Ist das unter MacOS oder Windows so anders? Ich verstehe mich langsam selbst nicht mehr.

Office ist bei mir (wieder) proprietär, das ist aber dem Umstand geschuldet, dass weder Collabora noch Libre mit meinen Dokumenten klarkommen, Softmaker (Link) aber schon. Sehr gut sogar. Ich brauche einfach nichts anderes und schon gar keine KI, welche mein Dokument mitliest.

Customer Action Required? No. Wir können ja auch nix machen…

Devolutions RDM (Link) ist grausam, Remmina leider auch. Aber es geht. Ich kann damit inzwischen arbeiten. Ich würde mir so sehr eine Lösung aus Europa, vorzugsweise Wien (Link) wünschen. RoyalTS wäre für mich die Heimat, in der ich mich sofort so wohl fühlen würde, ähnlich wie bei den anderen Wienern (Proxmox). Nie im Leben würde ich nochmal auf die Idee kommen, irgendetwas in VMware zu betreiben, weder als John noch als (fiktive Situation:) Entscheider in irgendeinem Rechenzentrum.

Abhängigkeit

Und dann gibt es da diese anderen Dinger, von denen ich halt nicht loskomme. Ich emuliere noch viel mit Wine / WineTricks. Steam, Lutris (GOG, BattleNet) und vor allem Star Citizen laufen unter Linux. Zwar inzwischen besser, als das mit Microsoft jemals ging, aber es hilft ja nix. Die Plattformen sind nunmal von dort, wo man als Europäer eigentlich nichts mehr von haben möchte. Und auch Discord (Nutzt Persona/Thiel) ist weiterhin da. Leider.

Aber es fühlt sich deutlich besser an, wieder (vermeintlich) Kontrolle über den – eigenen – Computer zu haben. Zu wissen, dass er nach jedem Kernel-Update noch funktioniert und nicht plötzlich irgendeinen KI-Agent irgendwo im OS oder in irgendeiner OS-Anwendung zu haben, die da nichts zu suchen hat, ist ebenfalls sehr angenehm. Und nachdem Powertop hier einmal durchgebrömmelt ist, verbrauche ich mit dem Ding auch weniger Strom als unter Windows.

Ich verstehe einfach nicht, wieso ich das nicht viel früher gemacht habe. Warum habe ich diesen Mist so lange mit mir machen lassen? Warum habe ich das ertragen?

Alles Andere außerhalb meines Rechners

Trotzdem ist die lokale Unabhängigkeit nicht alles. Wir haben – als Europäer – noch einen wirklich sehr langen Weg vor uns. Im Moment dämmert mir zwar, dass wir den alle gehen sollten. Unklar ist, wie ich die „Ich habe doch nix zu verbergen“ – Fraktion dazu bewegen kann, wenigstens mal einen Fuß vor den anderen zu setzen. Und oder ob ich damit überhaupt anfangen sollte. Da wären wir wieder bei diesem Missionsauftrag – Woran erkennt man einen… Und überhaupt – Kann ich meinen beiden, geliebten Nichten überhaupt mitgeben, dass Instagram voll doof ist? Oder dieses Whatsapp?

Ich bin vielleicht schon einen Schritt weiter als manche, da ich mich weder Meta noch X unterworfen habe, denn einzig auf mastodon zuhause bin. Aber ich nutze AWS, wann immer ich eine Pizza bestelle, Akamai wann immer ich einen die Firmware auf irgendeinem Accesspoint aktualisiere, Google Cloud, Gemini, ach du Liebe…

Lese ich eine Süddeutsche, läuft mein Datenpaket über Level3, weil die Telekom bestimmt, dass dieser Weg der günstigere ist. Versuche ich Makerworld für meinen Drucker zu erreichen, kommuniziere ich mit Cloudflare… Die Liste ist schier endlos.

Und überhaupt – mein Auto… Das mit Verlaub beste, umweltfreundlichste, komfortabelste, effizienteste, leistungsstärkste Auto, was ich jemals besessen habe. Dieses Ding ist mit einem der widerlichsten Techbros aus dem Thiel-Umfeld verbunden, den ich kenne. Das macht aber die Menschen, die das Ding entwickelt oder die Einzelteile gefertigt haben oder zusammenbauen, nicht automatisch zu schlechteren Menschen. Es ist noch nichtmal sicher, ob ich mich irgendwann mal nach einer Alternative umsehen werde, denn dieses Ding scheint ewig zu halten. Meine andere, sehr gemochte Alternative Polestar/Volvo läuft halt auch mit Android Automotive…

Ähnlich einer meinen anderen Anschaffungen – z.B. Sonos bin ich mit Cloudverknoteten Dingen immer abhängig von Entscheidungen des Herstellers. Das bedeutet, ich muss im Zweifel den Stöpsel ziehen (wie auch immer ich das anstelle). Bei einigen Geräten habe ich da weniger Sorgen. Meine fürchterlich geliebte Waschmaschine (Chinesisches Modell, Roborock Zeo One), wird ähnlich leicht zu befreien sein, notfalls über die Knöpfe an der Bedienfront, wie der Luftqualitätssensor (Link), den ich zuletzt noch angeschafft hatte.

Alle diese Anschaffungen waren ja nun auch nicht gerade „günstig“. Mangels monetären Polster in adäquater Masse kann ich das ganze auch nicht mal eben austauschen.

Ich nutze trotzdem einen US-Passwortmanager, hoste die Daten aber selbst. EU/DE – Alternativen mit ähnlichem Featureumfang sind im Moment rar. Die Empfehlung aus dem Heise-Verlag, Passbolt könne ein gangbarer Weg sein, ist nach kurzer Prüfung (dank Proxmox) und einigem Gelächter meinerseits extrem schnell verworfen. Padloc wäre (auch vom UI her) ein Ding für mich, wird aber nicht weiterentwickelt. Und Psono scheint ein absolutes Monster zu sein. Ich traue mir im Moment noch nicht zu, das selbst zu hosten.

Mitten in dieses Durcheinander schlägt die Nachricht ein, dass TrueNAS CE/Scale plötzlich closed source wird (Link). TrueNAS ist bei mir neben Proxmox quasi elementar geworden. Das ist ein Schlag da, wo man keinen Treffer abbekommen möchte.

Selbst wenn es nur der Build Prozess ist: Eine solche Nachricht ist für einen Europäer in diesem Moment eine Red Flag. Auf Reddit werden die Dinge von Links nach Rechts diskutiert. Mit Verlaub, die Entscheidung, einen solchen Schritt – als US Unternehmen – in der jetzigen Zeit – durchzuführen, halte ich für ähnlich durchdacht, wie den Iran anzugreifen. Mein Kollege Peter schafft es dann, mich endlich zu beruhigen: Immer dann, wenn in einem quelloffenen Projekt jemand durchdrehe, gäbe es einen Fork. TrueNAS hieße ja auch nicht immer TrueNAS.

Telefon

Mein Telefon (Google Pixel) ist dann das nächste, größere Ding. Ich überlege, welche Apps ich noch auf Graphene nutzen kann, bekomme aber zunehmend schlechte Laune. Manche Apps sind schlauer geworden und erkennen die sandboxed Play-Services, manch andere reagieren gar nicht auf meine Frage, ob es denn laufen würde: PicNic z.B. hat gar keinen Webshop, nur eine App. Und Banking? Paypal (Thiel)? Revolut? Commerzbank? !?Babing!? Die Commerzbank will das nicht (Link), Obwohl sandboxed Play Services drin sind. Mist. Die Baustelle Telefon selbst wird wohl das kleinste Problem sein: Die Alternativen bin ich schon durch – Murena /e/OS habe ich ausgeschlossen, die Sicherung via Titan im Graphene gefällt mir besser. Ich habe mich schon dran gewöhnt, wieder mit Karte zu zahlen. Aber dieses Banking-Thema? Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm…

Banking

Ist Euch eigentlich mal aufgefallen, dass quasi jede Online-Zahlung, die wir hier so über unsere Smartwatches und Telefone an den POS-Terminals machen, über US- Paymentserver laufen? Also Mastercard? Visa? Ich kann nicht einmal ein Hotel oder einen Mietwagen buchen, ohne dass die Amerikaner wissen, was ich da mache. Es gibt keine europäische Kreditkarte.

Während ich das hier so schreibe, kriege ich gerade Schnappatmung. Jetzt echt mal. Wie fucked up ist denn bitte unserer EU-Zahlungsverkehr? Online? Wero? Will die Commerzbank wohl nicht bzw. wird immer noch nicht angeboten.

Die Frage nach dem – was mache ich denn bitte, wenn ich kein Telefon mit Google Diensten besitze, lässt den Hotline-Mitarbeiter von der Commerzbank, den ich gerade dran habe, erst einmal sprachlos zurück. „Das hätten sie so noch nie gehabt„. Man würde sich bei mir melden. Rückmeldung: Es gäbe so ein „Foto-Tan-Lesegerät. Wie aber so ein Ding funktioniert, könne er mir auch nicht sagen – und überhaupt, das wäre überhaupt keine gute Idee von mir“.

Irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich (schon wieder) die verkehrte Bank habe. Nachdem dieser Verbrennerautoverkäufer und Ex-Finanzminister meine Bank angezündet hat, muss ich mir jetzt sowieso eine neue suchen (Link). Natürlich steht bei der Tagesschau mal genau nichts (außer „die Bundesregierung“) zu den Interessenskonflikten von dem Kerl und seinem anderen „Beratervertrag“ bei Teneo… Boah was bin ich sauer auf diesen widerlichen, hochnäsigen, arroganten Typen, der Selenskyj zu hat abblitzen lassen. Das hat mir damals so weh getan. Und es war mir peinlich.

Jetzt habe ich ein Titelbild für diesen Beitrag.Liegt gerade vor mir…

Ich habe ja immer noch so eine EC-Karte. Ich muss ja nicht mit dem Telefon bezahlen, auch wenn es sehr angenehm ist. Wenn ich meine Daten so besser schütze, dann soll es eben so sein. Ich habe nur echt keinen Bock, schon wieder die Bank zu wechseln.

Fazit:

Ich glaube, dass ich wenigstens mal anfangen sollte, den Weg zu gehen. Und andere vielleicht auch. Ich habe keine Ahnung, wie ich Leser des Springer-Konzerns erreichen kann, aber meine Himmelsrichtung scheint zu stimmen.

Und im FOSS-Umfeld sind auch ein paar coole Leute, das könnt Ihr mir glauben. Ja, die mögen vielleicht komisch sein, aber das bin ich ja auch. Und ich mag dieses „Dinge lernen“. Derweil bringt es mir Freude und ich kann endlich mal wieder ein wenig Last auf meine Denkapparatur bekommen.

Sehr hilfreich war in diesem Sinne auch der Blogbeitrag von „kaffeeringe“ (Link), da sind so ein zwei Argumente zu lesen, die ich in diesem Zusammenhang richtig finde.

Wenn Ihr mich vor dem Untergang bewahren wollt, schreibt mir gerne. Eine Mail bitte (Link). Bleibt gesund!