Der Nerd kapituliert: Breitbandoligopol und Nudelwasser

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Der Nerd kapituliert: Breitbandoligopol und Nudelwasser

Das war’s dann wohl. Fernab des Versagens der „Netzgemeinde“ Link bei vielen politischen, netzbetreffenden Entscheidungen wird’s denn auch am Anschluss der Kunden zappenduster. Schluss, Licht aus. Mit der Meldung der Bundesnetzagentur, dass Anbieter ihre Kunden die PPPoE- und SIP-Zugangsdaten vorenthalten dürfen, müsste eine Ilse Aigner eigentlich auf die Barrikaden gehen. Doch offensichtlich interessiert sich die ehemalige CSU-Sprecherin für „Technikfolgenabschätzungen“ eher für die grüne Wiese. Und Kühe. Die kann man ja streicheln und – leider auch riechen. Kurze Zusammenfassung dieses Posts: Das Internet von Frau Merkel ist wie ein Lactoseintoleranzfurz.

Die jetzt folgenden Sätze sind dann wohl so nerdhaft, dass sie Fefe und Alvar Freude sehr gut verstehen können, meine Eltern und die liebe Tante Ilse wohl nicht mehr. Muuuuuh! Ich sehe sie wohl eher als Selbstheilung, frei nach dem Motto: Schreibe auf, was Dich bewegt.

Die Auswirkungen, den Netzmarkt komplett verkümmern zu lassen, erlebe ich zunehmend selbst. Was ist übriggeblieben vom geforderten „Breitbandausbau“? Deutschland rauscht auf zwei Adern in die Sackgasse -> Link . Noch schlimmere Signale können wohl nur noch „Drosselungs-Überlegungen“ der Telekom senden -> Link. Doch, tatsächlich – niemand hat vor, eine Mauer Drosselung zu errichten.

Man sollte sich darüber freuen, dass die Netzagentur vermeintlich doch noch den richtigen Riecher hat und sich von der Grünen Wiese in die bittere Realität schwingt, und versucht die neuen Mauern einzureißen. Mit der „Initiative Netzqualität“ z.B. will gemessen werden, ob das Netz denn noch „neutral“ ist. Ich bin vom Test ausgeschlossen, denn die Netzagentur spricht recht wenig mit dem BSI und fordert für den „Netzneutralitäts-Test“ Java: Link – Ein Traum. Mein Hasswort: JAVA! Gelebter Dreck an jeder berufsbildenden Einrichtung. Immerhin, Elster hat‘ kapiert. Haufe nicht. Es sind aber wohl nur Nerds, die sich darüber aufregen. In sofern schon nicht so schlimm. Vielleicht sind es aber auch nur Nerds, die an diesem Test teilnehmen? Gelächter. #Fail. Gibt’s eigentlich noch die ComputerBild?

Ich erinnere mich noch an das Hotel im letzten Monat, in dem mich jeden Abend ein Wählscheibentelefon von Telenorma anblickte. Yeaah! Die gibt’s bestimmt bald wieder! Nur ob ich mir dann ein so hochmodernes Ding noch leisten kann? Nächsten Monat bin ich 2 Wochen in Frankreich. Schon jetzt versuche ich, eine Orange Mobicarte mit Flat über ebay zu bekommen. Im letzten Jahr ging’s problemlos. Jetze? Nix da. Geht nimmer. Die EU hat da wohl wirklich was dagegen.

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Irgendwie haben sich die Anbieter so weit vom Kunden entfernt, wie schon lange nicht mehr. Als ob sie sich alle abgesprochen hätten. Du bist doch in Deutschland und kannst doch nehmen, was Du willst? Denkste! Ein kleiner Check auf den Provisionssubventionierten Seiten – dsldsl.de z.B. offenbaren ein Trauerspiel. Weg sind sie, die kleinen Anbieter, die früher alle noch da waren. Puff, Peng – Alle geplatzt.

Wünsche ich einen preislich attraktiven DSL-Only Anbieter, um endlich wieder stabiles Sipgate nutzen zu können, ohne mich jedes Mal selbst fragen zu müssen, ob ich sie kaufmännisch noch alle beisammen habe, schaue ich hier, in 47807, in die Röhre Leitung. Möchte ich Kabeldeutschland oder Unitymedia mit hoher Performance nutzen, habe ich Zwangs-DNS. Ähnlich ist’s beim kürzlich übernommenen Alice-Carrier (Telefonica/O2). Die Telekom schimpft sich kundenfreundlich, doch kann auch sie nicht mit passenden Tarifen glänzen. Zudem steht sie im Ruf, die größte Infrastruktur für VDS zu betreiben. Die Reseller Telecolumbus, 1&1, Congstar & Co. fallen noch weiter aus dem Rahmen, teils nicht nutzbar, teils so schlecht bewertet, dass sie nur noch Spott ernten können. Teils aus Lese, teils aus Blogs von Freunden (worldofppc.com), teils durch Hörensagen.

Und alle wollen sie mir so eine Plastikkiste mit Fernwartungszugang in’s Wohnzimmer stellen. Nich‘ mit Don Lose!

Rückblende: Nach meiner Begeisterung für IP-Telefonie und dem Wunsch, mich an die Konzerntelefonie meines Arbeitgebers (Starface) zu koppeln, wünsche ich mir echtes SIP auch zuhause. Ich will den ISDN-Port loswerden und frage (dummerweise) bei meinem Anbieter (Arcor) nach. Wie sieht’s denn aus? Alles kein Problem, mit der Verlängerung Ihres Vertrages um weitere 24 Monate bekommen Sie genau das, was sie wollen. Das Resultat waren zwei Monate ohne Festnetztelefonie und Internet. Ach, ja. Nächsten Monat kommt wieder so ’ne Ladung Internet rein. Ach und den Port, den haben Sie leider verpasst. Sie müssen jetzt warten, bis der nächste umzieht. Für einen auf Breitband angewiesenen wirklich scheiße suboptimal. Keinerlei Entgegenkommen und böswillige Hinhaltetaktik mit gepfefferten Facebook- und Twitterposts meinerseits. Nicht mal ’ne Entschuldigung.

Anschließend habe ich einen neuen Annex-J DSLAM mit reichlich instabiler Versorgung am Port. Nach unzähligen Tests verschiedener Modems (Sphaeron/Alcatel/Siemens/DeTeWe) kann mich nur eine „dummgemachte“ Fritzbox 7270v3 stabil mit Breitband so rund um ’ne Aushandlung von 12000 bis 13000 versorgen. Die Dämpfung ziehe ich künstlich runter, um’s noch ein klein wenig stabiler zu habem. Der Chip des Lancoms versagt hier mit Überlauf in der Protokollierung ob der Flut der Leitungsfehler. Das ist der Stand bis heute. Lösungsansätze der völlig überforderten Hotline: Ich solle doch die Easy-Box nehmen und dann wäre alles gut. Zugegeben, die Easybox (ein furchtbares Gerät) funktioniert tatsächlich (allerdings auch nicht stabil). Und synchronisiert sie doch mit G722.5 ähnlich schlecht, wie mein Lancom – Link – hilft mir also nicht. Der Hotlinemitarbeiter ist weder imstande die Buchstabenfolge „ipsec“ in einen für ihn logischen Zusammenhang zu bringen, noch interessieren ihn die Protokolle oder die Bedeutung einer Starface für mich. Mit der Easybox sei alles gut. Ich versuch’s schriftlich. Das Kontaktformular wird ignoriert.

Immerhin habe ich Glück gehabt, einer der letzten gewesen zu sein, welche die SIP-Zugangsdaten noch per Post bekommen zu haben: Link. Ändern kann ich da allerdings weder das Kennwort noch die Konfiguration (wie beworben mit Rufumleitung und so) auf der Arcor-Seite. Ich freue mich herrlich darüber, denn das Kennwort ist außergewöhnlich (unsicher) kurz, und der SIP-Proxy ist nicht nur von meinem Anschluss, sondern weltweit erreichbar. Wenn ich die Sicherheit erhöhen wolle, müsse ich von Arcor zu Vodafone wechseln, natürlich in Verbindung mit einer 24-monatigen Vertragslaufzeit. Dann könne ich auch in’s Kundencenter und meine SIP-Zugänge sperren, sofern die Zugangsdaten abhanden kämen oder ich könne so etwas simples umsetzen, wie Umleiten im Amt oder CLIP-No-Screening (letzeres halte ich ebenfalls für unmöglich). Doch die Zugangsdaten selbst wären bei Vodafone eh nicht mehr gültig und neue bekommen würde ich auch nicht. Ich soll ja die EasyBox – Err – „Endmündigungsbox“ nutzen.

Also füge ich mich, und belasse es bei meiner momentanen Konfiguration und versuche, weit ab vom Serviceprovider selbst an Informationen zu gelangen. Denn ob das so RFC-Konform ist, was Vodafone da macht, lasse ich mal so im Raum stehen. Dafür kenne ich das SIP-RFC auch zu wenig: Link – Ignoriert werde ich allemal, wer nutzt schon das SIP-Feature „authuser“? Wohl nur Vodafone. Die Vodafone-Hotline ist auch hier überfordert. Immerhin, der momentan einzige Anbieter, der mir IP-Telefonie so bieten kann, dass ich sie so gerade eben nutzen kann – mit den bei Starface ignorierten Ärgernissen. Ich mag die Software, sehr sogar – sie funktioniert sehr stabil – mit allen zertifizierten Anbietern und mit altmodischem ISDN und sogar meinen ersten S2M hab‘ ich damit verdrahtet, nur nicht so richtig mit Vodafone. Wäre ja auch schön, wenn nach der 4. implementierten Anlage bei meinen Kunden auch meine eigene reibungslos laufen könnte. Das Leben ist halt kein Wunschkonzert.

Ich könnte jetzt schließen, mit Verweis auf Sascha Lobo’s Artikel zum Thema „digitaler Sofortness“ – Link –  und dem Resumée, dass die Physikerin Rekursivlächlerin Kanzlerin nicht merkt, dass sie in falscher Richtung auf der Datenautobahn fährt, doch mein Telefon klingelt: Die Vodafone Kundenhotline.

Ich: „Sie wünschen?“
Telefon: „Sind Sie Herr John Heinrich Lose, in Krefeld…, geboren am… ?“
Ich: „Können Sie es mit den persönlichen Daten in der Drückerhotline nicht noch genauer nehmen?“
Telefon: „Ich verstehe nicht, sind sie John Heinrich Lose, in Krefeld…, geboren am…?“
– Ich schaue auf’s Display. Meine primäre MSN wurde gewählt, die Tapi löst eine Rufnummer auf, ich Google die „allperfect GmbH“ in Pinneberg. Warum rege ich mich eigentlich so über den abgeschafften Bestandsdatenschutz so auf? Is‘ doch eh allet für’n *tralala*.
Ich: „JA!!!“
Telefon: „Ja wunderbar, da habe ich ja genau den richtigen. Mein Name ist „Max Mustermann“. Ich arbeite für Vodafone. Ich möchte mit Ihnen über die Optimierung Ihres Vertrags sprechen.“
Ich: „Stimmt nicht, Sie sind von Allperfect aus Pinneberg. Warum wollen Sie mit mir über meinen Vertrag sprechen?“
Telefon: „Wir haben ganz tolle neue Pakete und Träueprämien für Sie, bei denen Sie ganz viel Geld sparen können!“
Ich: „Haben Sie nicht.“
Telefon: „Doch, ganz bestimmt!“
Ich: „Wenn ich Ihnen eine Auftragsbestätigung schreiben darf, über die nachher von mir investierte Zeit für die Fehlerbehebung und die ausprobierten Endgeräte, damit alles nach dem von Ihnen nach einem Vertragswechsel angerichteten Schaden wieder läuft, können wir uns gerne weiter unterhalten.“.
Telefon: „Ich verstehe nicht, darf ich trotzdem mal schauen, was wir für sie machen können? In Ihrem Anschlussgebiet gibt es tolle Neuigkeiten. Wir haben viel in den Netzausbau investiert!“
„So weit ich weiß, liegt hier nur die letze Meile der Telekom, und sie haben kein Platz mehr im Kasten für’n weiteren Outdoor DSLAM an der Kölner Straße, aber wenn Sie’s schon so laut posaunen – VDSL wäre super!“
Telefon: „Moment, ich schaue gleich mal, nur für Sie.“
Aaaah, VauDehEsEll verstehta. Wartemusik, 1x Norah Jones, 1x Justin Bieber, 4x der Vodafone Werbejingle. 8 Ansagen. Ich denke an mein Nudelwasser.
Telefon: „Leider kann ich ihnen kein VDSL anbieten, aber wie wäre es denn mit Vodafone IP-TV?“
Ich: „Nö, lassen sie mal. Das funktioniert nur mit Ihrer EasyBox. Und Vectoring kriegen Sie ja auch nicht auf die Kette bei meinem Port.“
Telefon: „Ja, die ist ganz toll. Die hat superviele Features und kann jetzt auch DLNA!“
Aaaah, Easybox hatter auch verstanden. Leider. Ich schaue auf’s Display. Mist, in der Küche läuft gleich das Nudelwasser über. Ich ziehe mir das CS60 über und renne in die Küche. Die Nudeln sind hin.
Ich: „Brauche ich nicht!“ fluche ich.
Telefon: „Ja ob ich mich denn nicht für die tolle neue Technik von Vodafone interessiere?“
Ich: „Meine Technik kommt von Lancom, Starface und Snom. Oder meinen Sie die Unterhaltungstechnik? So QNAP und Samsung und so? Ich wusste gar nicht, dass ich da so hinten dran bin?“
Telefon: „Ja aber mit IP-TV können Sie jetzt auch HD sehen.“
Aaah, er hat „Samsung“ verstanden.
Ich: „Ich habe Sky-HD an meiner Schüssel, schließlich will mein Samsung auch ordentlich versorgt werden. Und, sie glauben’s kaum: Das, was der Jean Reno in diesem Fernsehen da so erzählt hat, das funktioniert sogar!“
Telefon: „Ja, wollen wir dann wenigstens Ihren Vertrag optimieren?“
Ich: „So mit längerer Laufzeit und so?“
Telefon: „Ja, genau!“ – Pause – „Eigentlich können Sie dann jeden Monat 3 Euro sparen!“
Ich: „Nö, aber können Sie demnächst nicht mal 3 Wochen vor anstehender Vertragsverlängerung anrufen, anstatt immer 3 Wochen danach?“
Ich denke mir: „Mist, schon wieder den Kündigungstermin verpennt. Ich Torfkopp!“
Telefon: „Darf mein Vorgesetzter Sie zurückrufen?“
Ich: „Gerne, aber spielen Sie ihm das Gespräch vorher doch besser noch einmal vor, vielleicht überlegt er es sich dann doch, bevor er mich anruft?“
Telefon: „hangupEvent…“
Alle so: Yea… Frau Merkel, det klappt wirklich, mit ihrem Breitbandausbau, wa? …Ooch in Krefeld-City.

TL’DR: Is‘ doch allet schick hier? So mit dem Netz und so? Ich resigniere.

By | 2013-04-03T10:12:41+00:00 03.04.2013|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Der Nerd kapituliert: Breitbandoligopol und Nudelwasser

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John Lose
John Lose ist Informationstechnologe und Datenreisender. Manche mögen ihn als "Aluhut-Träger" bezeichnen, denn er mag nur kleine Rechenzentren, die er selbst kennt. Public Clouds kommen für Ihn höchstens für Webseiten in Frage. John ist Katzenliebhaber, hat aber keine Katze, fährt gerne nach Südfrankreich und hört Tech-House. Mehr über John Lose erfährst Du in seiner Vita.  Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, so kannst Du auch Danke sagen, wenn Du möchtest:  >> Dankeschön <<.