Der Retweet via @jottes – von @ismail_kupeli über #KITA #Beckede

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Der Retweet via @jottes – von @ismail_kupeli über #KITA #Beckede

Heutzutage steht vieles im Netz, was da nicht reingehört. Schlicht weg, weil es nicht der Wahrheit entspricht. Das Netz wird zu einem Propagandaschlachtfeld zwischen zwei Hälften. Jede Information wird gegen die jeweils andere Partei eingesetzt. Entweder geht es um gestorbene in Flüchtlingsunterkünften, um Angegriffene, um vermeintliche Übergriffe, um tatsächliche Übergriffe. Wir kennen das primär aus der rechten Szene. Und niemand kümmert sich hinterher darum, dass der Inhalt, der gepostet wurde, nicht der Wahrheit entspricht. Das hat etwas von Kettenbrief. Und immer wird hier und da eine Information weggelassen oder hinzugefügt. Bis am Ende nichts mehr von der ursprünglichen Geschichte dahinter ankommt.

Die Herrschaften von mimikama.at können ein Lied davon singen. Es war die erste Seite, die ich besucht hatte, als ich einen Retweet in meiner Followerliste auf deren Wahrheitsgehalt und Quellen untersuchen konnte. Das dumme nur, er hatte die Quelle direkt retweetet. Und es gab dazu keine weiteren Informationen.

Ismail Küpeli ist Politikwissenschaftler in Bochum. Eine renommierte Person mit einer beachtlichen Anzahl an Followern. Dennoch war der Inhalt der Nachricht, die er gepostet hat für mich persönlich so dermaßen erschreckend, dass ich zunächst abwarten wollte, bis bestätigt wurde, was er da gepostet hat. 10 Stunden später wurde durch die Deutsche Welle bestätigt, dass das, was er gepostet hat, tatsächlich der Wahrheit entspricht:

Der Inhalt von Ismail Post im Detail (Achtung, schwerer Tobak):

Nur eine Randnotiz meinerseits über den Inhalt von Ismail’s Post: Für mich geht das über die Grenzen der Vorstellbarkeit hinaus. Ich war so angewidert und angeekelt, dass ich es nicht in Worte fassen konnte. So sehr, dass sich mir der Magen umgedreht hat. Das kommt in der letzten Zeit übrigens häufiger vor. Klar, ich bin aus der Kirche ausgetreten, weil jenes für mich nichts mehr mit Christlichkeit und Nächstenliebe zu tun hat, aber das schlägt dem Fass den Boden aus. Wie viel NAZI sind wir eigentlich immer noch? Der Besorgte Bürger gleicht den Helikopter-Eltern auf’s Haar? Wie wenig Bildung und wie wenig Einfühlungsvermögen gibt es in diesem Land eigentlich noch?

Die Diskussionen um diesen Beitrag sprengen auch alles für mich jemals dagewesene. Die Herrschaften gehen sich primär auf Facebook gewaltig an den Kragen. Ich habe den Beitrag jedoch als „gefährlich“ klassifiziert. Er birgt eine Menge Sprengstoff. Vielleicht ähnlich viel, wie viele andere Beiträge. Wir begeben uns, so stelle ich fest, auf ein Niveau deutlich unterhalb des Stammtischs. Unsere Äußerungsmöglichkeiten sind vielfältig. Und ich sehe, dass dieses Land anfängt, sich zu zerreißen.

Vielleicht haben Einbahnstraßenmedien, wie z.B. eine Süddeutsche oder sogar eine Zeit nun doch den Vorteil, dass sie sich seltener zu hetzenden Botschaften hinreißen lassen. Sie können beruhigend auf das Volk wirken. Doch die Zeit der Zeitungen und der guten Recherchen sind in den Sozialen Netzen vorbei. Hier geht es primär darum, wer ist der schnellste und wer hat die reißerischsten Nachrichten, um die besten Klickzahlen zu erreichen.

Deswegen verstehe ich auch, dass ein Heute-Journal zu Köln zunächst zurückhält. Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Insbesondere, wegen gerade solcher Themen: Link – Sueddeutsche über das angeblich vergewaltigte Mädchen, Link – Heute+ über den angeblich gestorbenen Flüchtling.

Dabei – noch einmal – zerreissen wir uns. Wir teilen uns auf. Die Gesellschaft spaltet sich. Und jede Seite gewinnt an hochgradig gefährlicher Extremität. Das wird zunehmend ungesund und gefährlich. Dieser Pulk, der da gegenseitig auf die jeweils gegenüberliegende Seite eindrischt, wird zunehmend gefährlicher. Wir sind nicht mehr in der Lage, miteinander zu reden, sondern wir reden übereinander. Ich klammere hier selbstverständlich diejenigen aus, die nicht mehr abzuholen sind, aber ich versuche selbstverständlich auch, einen Großteil des Drifts rechts von der Mitte mit einem gutmütigen Ton und vielen Redebeiträgen wieder ein Stück weit zurück in die Mitte zu holen. So wird mir das immer weniger gut gelingen. Und mit jedem Beitrag, der nicht stimmt, werde ich unglaubwürdiger.

Die Politik mischt da mit. Es gibt Menschen, die sagen, man müsse die AFD an den Tisch holen, und es gibt Menschen, die vertreten die Meinung, diese Partei würde nicht an einen Redetisch gehören, Beispiel RlP. Ich habe dazu keinerlei Meinung. Möchte jedoch, ähnlich zu den zuvor genannten, medialen Einflüssen anmerken: Der Ton auch in öffentlichen Debatten führt nicht dazu, dass das Volk beruhigt wird und ein sinnvoller Dialog entstehen kann. Das ist jedoch bitter notwendig.

Ist es jetzt richtig, den Tweet von Ismail Küpeli zu retweeten? Ja. Aber erst jetzt. Nachdem wir wissen, dass das tatsächlich echt ist. Und wir sollten immer unsere Quellen untersuchen. Und wir sollten überlegen, ob wir die Information teilen oder unseren eigenen Senf dazu geben. Und wir sollten uns überlegen, ob wir tatsächlich alles, was wir öffentlich debattieren, korrekt und sinnvoll debattieren.

By | 2016-01-29T18:52:46+00:00 29.01.2016|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Der Retweet via @jottes – von @ismail_kupeli über #KITA #Beckede

About the Author:

John Lose

John Lose ist Informationstechnologe und Datenreisender. Manche mögen ihn als „Aluhut-Träger“ bezeichnen, denn er mag nur kleine Rechenzentren, die er selbst kennt. Public Clouds kommen für Ihn höchstens für Webseiten in Frage. John ist Katzenliebhaber, hat aber keine Katze, fährt gerne nach Südfrankreich und hört Tech-House. Mehr über John Lose erfährst Du in seiner Vita.  Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, so kannst Du auch Danke sagen, wenn Du möchtest:  >> Dankeschön <<.