Diese penetranten Technologieverweigerer! Diese ewig gestrigen! Furchtbar! #thereisnocloud

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Diese penetranten Technologieverweigerer! Diese ewig gestrigen! Furchtbar! #thereisnocloud

Ich will mal präzisieren. Man könnte übersetzen in: Das supercoole IOT (Internet of Things) sei jetzt da. Man habe es gefälligst zu nutzen. „Und diese Cloud ist ja nun auch da, verdammt nochmal, warum nutzt Du immer noch on premise (lokal bereitgestellte Plattformen)?“ Aber immer der Reihe nach.

Ein Mensch, den ich sehr schätze, Dr. Ullrich Kampffmeyer (link) markiert auf Facebook einen Artikel mit Like. Denn Frau Dr. Hoffmann bloggt ihre Kernthese. Sie schreibt einen „Rant gegen Ewiggestrige im digitalen Wandel“ (link). Dabei unterstreicht sie ihre eigene Bildung und gibt freiwillig zu, ein Tech-Junkie zu sein. Ich stelle mir diesen „Junkie“ vor. Die Person, welche stolz darauf ist, „auch mal im Restaurant ihr Mobiltelefon oder das iPad zu zücken“, weil sie verlernt hat, den Fahrplan im Kopf zu haben.

Manchmal fühle ich mich wie Will Smith in I, Robot:

Ein Dinosaurier. Einer von der aussterbenden Sorte. Doch davon habe ich genug. Ganz ehrlich? Es kotzt mich an. Links und rechts von mir. Von denjenigen, die mir vorwerfen, Jabber und IRC wären sowas von „Oldschool“. Meine  „Cloudverweigerungshaltung“ würde sie nerven. Tja, sorry. Dann ist mit mir halt keine Party, wenn Einladungen nur noch per Whatsapp rumgehen. Kann ich mit leben.

Mir kocht’s. Ich kann’s nicht mehr hören. Mir geht dieses Genörgel sowas von auf den Sack. Dann geh’ doch in die Cloud. so wie Fr. Dr. Hoffmann. Sie nutzt nämlich „Medium“ zum Ausdruck ihres #Aufschrei’s, weil – is’ eben cool. Ihr Aufschrei „Einfach mal die Klappe halten!“ wäre wohl für sie selbst angebracht, immerhin, man wundert sich schon, ihr eigener Blog läuft mit WordPress. Ein wenig weiter unten sehe ich ihr E-Book „Web oder stirb“ beim Haufe-Verlag.

Tja. Zwei Welten. Menschen, die meinen, Technologie verstanden zu haben. Ihre Wahrheit ist die einzig richtige. Sie meint, Content sei ja nicht ohne Context. Man muss ja Kommunikation machen mit den Mitteln, die zur Verfügung stehen. Und das ohne Rücksicht auf Verluste. Der Deutsche Mittelstand hat das wohl noch nicht begriffen. Frau Dr. könnte wunderbar auch auf einer Azure-Werbeveranstaltung gebucht werden. Dabei ist sie stolz darauf, wie sie ihr MacBook mit ihrem iPhone steuert. Und sie erklärt das auch gerne, während sie für Ihr Buch wirbt und Geschäftsführer anmahnt, umgehend moderne Kommunikationsmethoden zu nutzen.

Einfach mal die Klappe halten!
Nein, muss ich nicht!

In mir regt sich dieser widerliche Ekel. Der Ekel vor Menschen, die meinen, man (ich) müsse alles sofort und zwar umgehend nutzen. Kritiklos. Gedankenlos. Ohne die Infrastruktur zu verstehen. Ohne zu wissen, wo die Daten eigentlich sind. Ohne sich einen Deut Gedanken um die Risiken  zu machen. Ohne zu wissen, was man da eigentlich macht.

Der Telekom-Vertreter reibt sich die Hände. Denn er bekommt eine satte Provision für den nächsten Kunden, den er von seiner gepflegten On-Premise Umgebung nach Office365 holt. Azure, Amazon und Hana, das sind die drei, die wir täglich in Anspruch nehmen (zu haben). Juhuu! Lasst uns tote Pferde reiten, wie  DE-MAIL. Na immerhin, Email-Made-In-Germany – Das funktioniert. Auch wenn meine Stirn bei diesem Slogan alleine schon auf die Tischkante kracht – super, die Nebenhöhlen sind wieder frei. Dazu kommt Facebook.

Ist ja alles nicht so schlimm. Man könne ja auch hybrid arbeiten. Ich gehe d’accord mit dem Ausdruck aus dem Berliner CCC – Für den Ottonormalfacetuber ist das Internet Facebook. Und nichts mehr. Die Anwendungen dahinter, HTTP, SOAP, TLS und DNS wollen sie nicht verstehen. Können sie auch gar nicht. Die App ist ja einfach installiert und bedient. Die Nutzungsbedingungen haben die wenigsten gelesen. So auch die von Windows 10. Sie wissen nicht, was die App mit ihrem Telefon macht, sofern sie es zulassen.

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Um es gleich zu sagen: Ich kann das mit der „warmen Luft zum Stinken bringen“ auch. Wir können das besser. Selbst. On Premise. Alles. Kommunikation. Chat. Rechenleistung. ECM. Private Cloud. Denn die Verantwortung für Daten kann man nicht abgeben, auch wenn manche das suggerieren. Daten sind nicht nur innerhalb der Europäischen Union zu behalten, sondern auch da, wo man sie selbst unter Kontrolle hat. Ausgebrochene Daten sind nicht aufzuhalten. Daten, die nicht im Zugriff sind, sind ebenso schädlich. Dafür gibt es – nicht zuletzt – auch das BDSG.

Doch vielleicht ändert sich das ja. Das Netz wandelt sich zum Konsum, die Kreativität stirbt. Das Wissen um das selbst bereitstellen, selbst pflegen, selbst denken, selbst Verantwortung übernehmen. Selbst können. Denn viele von uns können schon lange nicht mehr selbst. Wir, die wir kritiklos die Schranken der Regierung übernehmen, den Zwangs-DNS, den Zwangsproxy, den Zwangsfilter. Die Globalisierung schreitet fort. Auch im Netz.

Neue Technoligien haben noch niemanden verblödet
Doch!

Keiner von uns weiß, was die App aus dem Store mit unseren Daten macht. Wir kennen die Technologie dahinter nicht. Und dennoch – Obwohl wir alle Möglichkeiten hätten, das anders zu gestalten. Intelligenter und smarter. Dezentraler. Trotzdem nutzen wir IT-Fastfood. Weil es ja so einfach ist. Trotz aller Bedenken, eine Mobilfunkrufnummer als Logintoken für ein Chatsystem zu benutzen geben wir unser Hirn an der nächsten, virtuellen Theke einfach mal ab. Hauptsache, es gibt ’ne App.

Geht das anders? Ja. Es geht. Nur eben nicht mehr bei Microsoft. Und auch dieses Bild hat sich geändert. Mit der Katapultfeuerung von Steve Ballmer ist Microsoft nicht mehr das Microsoft, das ich kannte und liebte. Satya Nadella hat „sein“ Unternehmen um 180 Grad auf Profit gedreht. Die Hoheit über die Daten hat wunschgemäß Microsoft. Die Qualität der On-Premise-Lösungen ist Post-Cloud eine Katastrophe. Aber das scheint auch so gewollt. Cloud ist die Zukunft. Gruppenrichtlinien sollen nicht mehr sein. Leasing- und Mietgeschäfte bringen mehr Umsatz und scheinen die Kunden besser zu binden. Und jeder bietet die Wolke an, so auch mein Arbeitgeber. Mir kommt es so vor als ob die Herrschaften jetzt erst begriffen haben: „Shit, we’ve born the internet. Now – #wtf do we do against it?“

Dieses Modell scheint sich zu rechnen, zumindest außerhalb von Deutschland. Ich vernehme auch in Deutschland kaum Kritik an den Privacy-Policies von Microsoft. Alles dreht sich weiter. Nach Safe-Harbor hat sich ein noch schlimmeres Konstrukt in der EU gebildet. Geht ja nicht an, dass irgendeine „demokratisch gewählte“ Delegation mit ihren permanenten, eklatanten „Datenschutzbedenken“ irgendwie uns einen Schnitt in die Rechnung macht. Und diese ewig gestrigen TTIP- und CETA- Verweigerer. Und überhaupt…

Es ist einfach. Alternativen gibt es genug. Nur sind die eben nicht von großen Konzernen. Es gibt auch demokratische Betriebssysteme. Aber die sind unpopulär. Oder doch nicht? Kleine Hoster und deutsche Anbieter können das. So z.B. Heinlein aus Berlin (Beispiel). Und wir können auch selber machen. Es gibt sie immer noch, die Oldschool-Hardwareanbieter. Es muss nicht immer Public Cloud sein. Und Du zuhause? QNAP’s (Beispiel) gibt’s auch genug. Und klassische Büchereien in Deinem Dorf hoffentlich auch noch. Du hast das selbst in der Hand. Mit Deiner Kaufkraft und Deinen Entscheidungen für Dein Unternehmen.

Hört bitte wenigstens endlich auf, euch selbst dafür zu feiern, dass ihr euch neuen Entwicklungen verschließt.

Nein, ich bin nicht stolz darauf, Windows 10 nicht einzusetzen, Fr. Dr. Hoffmann. Ich bin traurig. Ich kann es nämlich einfach nicht. In mir ist irgendwie so eine Schranke im Kopf. Weil ich die Privacy-Policies von Microsoft (link) gelesen habe. Ich denke nämlich, bevor ich handle.

“We will access, disclose and preserve personal data, including your content (such as the content of your emails, other private communications or files in private folders), when we have a good faith belief that doing so is necessary to”, for example, “protect their customers” or “enforce the terms governing the use of the services”.

Und ja, ich vermisse die guten, alten Zeiten. Und ja, ich stehe für On-Premise. Das selbst machen. Selbst können. Selbst planen. Selbst verantworten. Und nein, moderne Technologien sind nicht persé schlecht, sofern man bewusst mit ihnen umgeht, sie versteht und richtig anwendet und ein Mindestmaß an medialer Kompetenz bildet. Und ja, auch Cloud ist nicht persé schlecht. Eine kritik- und gedankenlose Anwendung jedoch mehr als.

By | 2016-02-15T17:49:52+00:00 15.02.2016|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Diese penetranten Technologieverweigerer! Diese ewig gestrigen! Furchtbar! #thereisnocloud

About the Author:

John Lose
John Lose ist Informationstechnologe und Datenreisender. Manche mögen ihn als "Aluhut-Träger" bezeichnen, denn er mag nur kleine Rechenzentren, die er selbst kennt. Public Clouds kommen für Ihn höchstens für Webseiten in Frage. John ist Katzenliebhaber, hat aber keine Katze, fährt gerne nach Südfrankreich und hört Tech-House. Mehr über John Lose erfährst Du in seiner Vita.  Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, so kannst Du auch Danke sagen, wenn Du möchtest:  >> Dankeschön <<.