Das Qualitäts-Dilemma beim Direktkauf von Musik (-Lizenzen und jenes meiner Ohren) #ochre #anjuna

Meine Ohren gehen mir richtig auf den Keks. Wenn ich mal keinen Tinnitus habe, finden die immer wieder Dinge heraus, die ich lieber nicht wüsste.

Damals hatte ich mich schon einmal geärgert, als meine Lauscher feststellten, dass ich Bob Stuart's MQA auf den Leim gegangen bin (Link). MQA sollte Studio-Qualität nach Tidal bringen, tat das dann aber nachweislich nicht. Meine Emails an Tidal blieben unbeantwortet, heute ist MQA Geschichte.

Ich möchte hier ausdrücklich nicht über Anjuna urteilen. Als mir damals mein NAS um die Ohren flog, waren die von Anjuna und Bandcamp die einzigen, die mir die dort gekaufte Library komplett und problemlos wieder zum Download anboten. Andere Anbieter weigerten sich, trotz Kaufbeleg.

Es gibt derweil einiges, was im Audiobereich schief geschrieben und gelesen wird. Beispiel gefällig? Bei einem Musikabspielgerät wundert sich die Heise-Druko-Gemeinde laut feixend darüber, dass man für "goldene Schrauben" EUR 5000 ausgeben kann (Link). Niemand aber bemerkt, dass die EU-Variante jenes beschriebenen Gerätes noch nicht einmal hochohmige Kopfhörer antreiben kann. Das eigentliche Dilemma dieses Players wird also übersehen. Und dabei ist noch nicht einmal der Hersteller selbst schuld. Kenner importieren deshalb die Japan Variante.

Die Frage ist durchgehend, hört man das? Ich sage ja (subjektiv). Wenn man das passende Equipment hat und die Ohren nicht kaputt sind (wie meine). Da heutzutage fast niemand mehr einen hochauflösenden DAC in der Tasche hat, wird's mit kabellosen Kopfhörern mit dem verkehrten Bluetooth Transportformaten (SBC zum Beispiel) auch bei schlechten MP3 sowieso keine Klangunterschiede geben, wenn mal aus Versehen ein hochauflösendes FLAC dazwischen rutscht. Dazu kommt dann auch die Vertrauensfrage an das Musikstück selbst. Hat der Komponist das so gewollt? Spotify ist bei mir inzwischen so unten durch, dass ich da kaum noch höre, auch wenn's vielerlei Stimmen gibt, man möge unbedingt jenes aktivieren und solches deaktivieren.

Daher kommt dann auch meine Aussage, dass ich mit Audiotapes und dem richtigen Walkman dreimal mehr rausholen kann, als jedes Mobiltelefon. Natürlich rollt dann auch der letzte, mir noch verbliebene Leser bei diesem Blogpost mit den Augen. Ist in Ordnung, ich kann's ja verstehen.

Zurück zum eigentlichen Problem: Wenn ich mir bei Anjuna was kaufe, dann kann ich das in unterschiedlichen Formaten herunterladen. Die Annahme, etwas in Wave zu laden, um es verlustfrei zu bekommen, wäre prinzipbedingt eher richtig, so meine subjektive Auffassung. Allerdings steht dort bei keinem Transportcontainer dran, was tatsächlich drin ist.

Trotzdem gehe ich erstmal davon aus, dass der Wave-Container die bessere Option ist. Ich lade damit gleich die doppelte Größe, wie die danebenliegende FLAC und mache mir weiter keinen Kopf, Platz ist war ja da (also damals, wo Platz auf der Platte noch gefühlt 1/10 von heute kostete). Erst Jahre später höre ich etwas genauer hin - zwangsläufig - beim Entwickeln einer Anwendung. Meine Ohren teilen mir mit, dass ich dieselbe Qualität höre, obwohl ich FLAC und PCM WAVE desselben Samplers nacheinander abhöre.

Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Erstmal gehe ich von einem Fehler im Agent aus, mit jenem ich gerade audiojoe (Link) entwickle. Ich mache dann einen Heidentamtam, um die Qualität der Hardware und der Software zu überprüfen. Also was genau läuft hier schief? Das Tool funktioniert. Mein Agent auch. Der Quelltext ist sauber. Ergo liegt der Fehler nicht bei mir. Sondern an einer ganz anderen Stelle. Also einfach mal in die Quelldatei reinschauen.

Es sind tatsächlich dieselben 16 Bit im PCM Container, statt derer erwarteten 24. Nix ist mit hoher Qualität. Da ich mein Tool auch für mein Auto als Browser-App baue, und der angeblich 24 Bit/48 kHz von Haus aus unterstützen soll (was noch zu beweisen wäre), will ich natürlich 24 Bit einkaufen. Und die kriege ich dummerweise nicht bei Anjuna direkt in deren "OCHRE-Store". Wohl aber bei Qobuz und auch bei Bandcamp. Da ich Qobuz bei meinem Fahrzeughersteller nicht als App bekomme und Podcasts zwangsläufig an Apple hängen, musste ich sowieso was machen und habe eine cachefähige Browser-App gebaut, die auch mal n' Grenzübertritt in die Niederlande verträgt. Dumm ist, dass man digitale Güter nicht mal einfach so umtauschen kann.

Es wurde also Zeit für eine Qualitätsanzeige in allen Apps von audiojoe. Schließlich will man ja auch sehen, was man da hört. < Macht Sinn, dieser Satz, oder?

Die Ursache lag also an ganz anderer Stelle. Der OCHRE-Store behilft sich damit, einfach nicht draufzuschreiben, was drin ist. Insofern kann man da faktisch keinen Vorwurf machen, trotzdem fühle ich mich verschaukelt.

Schade ist also, dass entweder die Master, die an den hauseigenen Store abgegeben wurden, selbst eben nur 16 Bit gewesen sein müssen, oder vom Store einfach nicht anders verarbeitet werden können. Das ist für mich irgendwie nicht zweckdienlich bei einer Software, die dafür da ist, Musiknutzung zu ermöglichen.

Ich kaufe ja aus zwei Gründen da. Zum einen, weil's da dann gleich das Vinyl mit dazu gibt. Oder aber weil ich den Künstler maximal entlohnen möchte. Das geht meist nicht, wenn ich andere Plattformen verwende.