Wie @SamsungDE auf ganzer Linie enttäuscht – Von Ingenieurskunst und Elefanten – Ein Kauf für die Müllhalde

Menu:/Wie @SamsungDE auf ganzer Linie enttäuscht – Von Ingenieurskunst und Elefanten – Ein Kauf für die Müllhalde

Wie @SamsungDE auf ganzer Linie enttäuscht – Von Ingenieurskunst und Elefanten – Ein Kauf für die Müllhalde

Ich hatte erst sehr spät einen eigenen „Fernseher“. Ich bekam ihn, als Kabelfernsehen noch nicht möglich war und wir – je nach Wetterlage – entweder 4 oder 5 Kanäle hatten. Der Röhrenprojektor wurde von Grundig in Deutschland gebaut, hatte eine gefühlte Größe von einem Zoll und einen SCART-Eingang. Das Gerät war äußerst robust und befindet sich m.E. irgendwo immer noch irgendwo im Besitz der Familie. Heutzutage lässt sich damit sicherlich nicht mehr viel anfangen, aber es ist ein Gerät, welches immer noch funktioniert.

 

Heute bin ich älter, aber kein Stück weiser. Ich bin z.B. nicht jemand, der alle 2 Jahre ein neues Telefon benötigt. Ich bin immerhin zufrieden mit dem, was ich vermeintlich „besitze“ – vielleicht auch was mich besitzt. Ich suche nach Hardware, bei jener die Software stimmt und bei jener der Support-Lifecycle ähnlich lang ist, wie z.B. bei einem Exchange Server. Lancom kann das, und auch ein iPhone ist gegenüber seinen Mitbewerbern gerade in dieser Hinsicht in jeder Form überlegen. Gibt es keine aktuelle Software mehr für ein Device, ist es in kürzester Zeit ein Sicherheitsrisiko und nutzlos.

Viele laufen heute noch mit Android-Devices herum, jene sie nicht benutzen sollten. Auch andere Geräte werden nutzlos, sofern man sie nicht mehr mit aktueller Software betreiben kann. Mein TV-Hersteller hatte nach 2 Jahren aufgehört, aktuelle Software für ein TV-Gerät bereitzustellen, dennoch tauscht er alle 2 Wochen die Inhalte seiner SmartTV Oberfläche gegen neue, sehr nervige Elemente – die er mangels tauglichem OS gar nicht darstellen kann. Wer einen Samsung-Fernseher von 2014 besitzt, muss nicht zwangsläufig Konsument der Springer-Presse sein. Also passiert das, was sonst eher selten bei mir der Fall ist: Das Netzwerkkabel fliegt und man sucht nach Alternativen.

Als ich vor rund einem Jahr einen Blei-Akku einer USV an unserem Wertstoffhof in Krefeld abgegeben hatte, kam es zu einem ersten Erlebnis eines Problems, welches ich so noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Dort gab es einen Container, in jenem gleich zwei Flachbildschirme größerer Form äußerst unsanft entsorgt wurden. Auch die Besitzer des Geräts schauten damals ähnlich entsetzt wie ich. Eines der beiden Geräte war gerade einmal drei Jahre alt.

Ich habe immer schon versucht, Dinge zu reparieren. Defekte waren für mich ein Resultat schlechter Ingenieursleistung. Ein Fahrzeug z.B. sollte so funktionieren, wie am ersten Tag. Zu Volvo und zu deren Qualität nach deren Abgang zu Geely hatte ich mich bereits mehrfach geäußert, diese Artikel sind jedoch auf meiner Site nicht mehr zu finden. Ich mag es einfach nicht, wenn mit purer Absicht Bauteile mit zu schwacher Langzeitleistung verbaut werden.

Wenn Laserdrucker von HP nach 10 Jahren immer noch mit aktueller Software versorgt werden, dann mag ich das. Es lohnt sich in meinen Augen, ein solches Gerät zu reparieren. Ebenso mag ich ein IP-Telefon von Snom oder ein Soundboard von Saffire. Oder ein Soundsystem von Sonos. Es sind Geräte, die auf Langzeitnutzung gedacht ung gebaut wurden. Sie begleiten und begeistern mich jeden Tag.

Elektronische Bauteile bestehen zu einem Großteil aus seltenen Erden, welche oftmals zu menschenunwürdigen Bedingungen auf diesem Planeten gewonnen werden. Nicht nur die Rohstoffe, jene zur Fertigung eines Fernsehers benötigt werden, sind von unschätzbarem Wert: Deren Hersteller werden dringend dazu angehalten, Arbeitsbedingungen für deren Fertigungslinien zu schaffen, die passen. Wenn es heute heißt, dass die Angestellten von Foxconn darum ringen, einen Arbeitsplatz in der Fertigungslinie eines bestimmten Herstellers zu bekommen, hat das einen Grund.

Aber es ist auch eine Chance. Der Austausch zwischen Nord- und Südkorea, bedingt durch deren Fertigungslinien in Nordkoreanischen Exklaven z.B. (Kaesong wurde 2/2016 endgültig geschlossen), waren möglicherweise ein sinnvoller Beitrag zur Friedenspolitik beider Länder. Fertigungslinien basieren immer auf der Leistung der Ingenieure. Es ist aber das primäre Ziel eines Unternehmens, Gewinn zu maximieren. In sofern sollte sich die Qualität der verwendeten Materialien und auch die Anordnung auf einer Platine an einer Langzeitnutzung orientieren – vermeintlich. Ich bin also nicht geneigt, einen Fernseher, der heute ein nicht unübliches Maß jenseits der 50 Zoll hat, ähnliche Lifecycles zuzubilligen, wie z.B. Galaxy Smartphones, jene jedes Jahr auf’s neue den Markt durchdringen. Ein Trugschluss.

Fernseher sollten ein Mindestalter von 15 Jahren erreichen. 

Enttäuscht war ich erstmals, als ich von einem Defekt eines Soundsystem des koreanischen Herstellers bei meiner Kollegin erfuhr. Es ist ein ähnliches System, wie ich es vor 4 Jahren parallel zu meinem Fernseher gekauft hatte. Die Laufzeit desselben war jedoch deutlich kürzer. Möglicherweise hatte ich es sogar empfohlen, weil ich bislang von dessen Funktionsweise überzeugt war. Meine Anschaffung war damals ein Fernseher der UE40er-Klasse und ein dazugehöriges Soundsystem. Sicher, heute lächelt man über 40 Zoll. Für mich war das damals riesig! Oberflächlich gesehen passte die Verarbeitungsqualität und alles funktionierte. Bis vor gut einem Monat. Ich möchte hinzufügen, dass ich äußerst selten im Wohnzimmer an einem Fernseher entspanne, die Netto-Laufzeit desselben ist also äußerst gering.

Wenn sich ein Kondensator verabschiedet, hört man ein leises Fffff-T…

…und die Funktion des Geräts wird eingestellt. Das Gerät lässt sich auch nicht mehr zu einem Start überreden. Befindet sich der Kondensator auf einer Netzteilplatine, hat man möglicherweise noch Glück. Schlimmer wird es, wenn es das Logicboard erwischt. Möglicherweise fallen die Dinger auch in serieller Folge aus, es sind also Logic- und Powerboard betroffen.

Wenn Du nach einem heftigen Arbeitstag einen Ausfall eines 4 Jahre alten Geräts bemerkst, kann Dich das schon mitnehmen. Eigentlich wollte ich meine aktuelle Lieblingsserie schauen. In meiner Natur liegt es, den Dingen auf den Grund zu gehen. Also wird sich des Akkuschraubers bedient. Es war im übrigen nicht nur ein Kondensator, sondern gleich mehrere. Die Kondensatoren selbst sind inzwischen von Samsung gefertigt. Sinn der Sache ist offenbar, dass offenbar gleich das ganze Board getauscht werden muss, da sich mangels adäquater Beschriftung keine baugleichen im freien Handel erwerben lassen. Nur für deutlich ältere TV’s gibt es – z.B. bei Elko-Verkauf gleich mal einen ganzen Satz für fast jedes Gerät. Ich konnte meinen Fernseher jedenfalls nicht wieder zum Leben erwecken. Er wanderte zunächst in den Keller und wird wohl nächste Woche zusammen mit einem weiteren Gerät den Weg zum Wertstoffhof antreten.

Es machte keinen Sinn mehr und ich begab mich auf die Suche nach einem Ersatzgerät. Da meine Sehgewohnheiten sich verändert hatten – ich bin Plex-Nutzer und Kunde von Amazon Prime, Netflix und sehe relativ viel Youtube – ist das sicherlich mit dem Zugewinn an Komfort zu sehen, aber es war eben nicht geplant. Da ich – wie eingangs erwähnt – auf Langzeitnutzung aus bin, habe ich sicherlich etwas tiefer in die Tasche gegriffen, um vermeintlich Qualität zu kaufen. Ich bin mir unsicher, ob ich diesen Kauf richtig angestellt habe. Ich bin zudem nicht jemand, der es wirklich mag, Bankstern mit einer Finanzierung das Geld in den Rachen zu werfen, welches sie nicht verdient haben.

 

Nun denn, jetzt ziert kein koreanisches Modell mehr meine Wand, sondern ein japanisches. Mit den verbundenen Problemen. Das koreanische Soundsystem konnte nur mit Mühe überredet werden, das neue japanische Gerät als Zuspieler zu betrachten. Der optische Ausgang wurde ignoriert, nur über ARC war noch zu sprechen. Wer zudem noch mehrere Settopboxen besitzt, z.B. eine XBOX, eine WII, einen Bluray-Spieler oder ein Apple-TV, hasst das. Zudem musste die Logitech Harmony umständlich umprogrammiert werden. Aber – es lief, irgendwann. Stress, den ich nicht wollte und auf den ich schon gar keine Lust hatte.

Insgesamt lief es tatsächlich eine Woche, also einen Tatort und eine Folge „The man in the high castle“ in UHD. Dann gab es ein ähnliches, bekanntes Geräusch. Das Soundsystem des koreanischen Herstellers war zeitgleich zum Fernseher angeschafft. Und es gab quasi zeitgleich den Geist auf.

Was war geschehen? Auch dessen Elkos waren geplatzt. Im übrigen eine unschöne Sauerei auf der Platine, aber dennoch leicht zu reinigen. Es gibt in Düsseldorf immer noch die Lokation eines Elektronikbauteil-Lieferanten. Power- und Logicboard ausgebaut, begab ich mich dorthin.

Die Herrschaften machten mich auf zwei Probleme des Gerätes aufmerksam: Kondensatoren sollten groß genug sein und Kondensatoren sollten eine adäquate Laufzeit aufweisen. 105 Grad Celsius bei einer maximalen Laufzeit von 2000h (nach Aufdruck auf den defekten Elkos) sind – vorsichtig ausgedrückt – suboptimal für ein Hifi/TV-Gerät. Noch suboptimaler ist es jedoch, wenn ein solcher Kondensator in unmittelbarer Nähe zu einem Kühlkörper auf der Platine verlötet wird. Es ist nicht nur suboptimal, es ist eine Frechheit. Man könnte jetzt „gewollt“ interpretieren, aber das geht wohl zu weit.

Es ist ein Schlag in’s Gesicht derjenigen, welche die seltenen Erden für dieses Gerät abgebaut haben, und es ist ein Schlag in’s Gesicht derjenigen, welche selbiges unter unwürdigen Bedingungen gebaut haben. Es ist aber auch ein Schlag in’s Gesicht des Käufers. Irgendwann wird dieses Gerät vermutlich auf einer illegalen Deponie in Ghana enden. Gott gab der Menschheit Ressourcen. Wir müssen dringend lernen, nachhaltig damit umzugehen.

Das Geld, welches ich wegen minderwertigen Bauteilen für 5 Cent verbrannt habe, sehe ich nicht wieder. Der Kunde ist einem Elefanten gleich, was das betrifft. Er vergisst so etwas nicht. Es ist unentschuldbar. Samsung wird hier, in meinen 4 Wänden, auf keinen Fall wieder einen Platz finden.

Problem bei der Sache: Der Fernseher war schon nicht geplant. Die infolge meiner Erfahrung über minderwertige Elektronik jetzt avisierte Sonos Playbar samt Sub ist es schon gar nicht. Barmittel sind nicht verfügbar, aber TV ohne Sound gehen ebenfalls nicht. So hängt das neue, japanische Modell an der Wand und wird frühestens wieder Weihnachten dieses Jahr benutzt, sofern alles gut geht. Wie ich mich kenne, ist auch dem nicht so.

By | 2017-03-31T12:12:18+00:00 31.03.2017|Meinung, Techbla|Kommentare deaktiviert für Wie @SamsungDE auf ganzer Linie enttäuscht – Von Ingenieurskunst und Elefanten – Ein Kauf für die Müllhalde

About the Author:

John Lose
John Lose ist Informationstechnologe und Datenreisender. Manche mögen ihn als "Aluhut-Träger" bezeichnen, denn er mag nur kleine Rechenzentren, die er selbst kennt. Public Clouds kommen für Ihn höchstens für Webseiten in Frage. John ist Katzenliebhaber, hat aber keine Katze, fährt gerne nach Südfrankreich und hört Tech-House. Mehr über John Lose erfährst Du in seiner Vita.  Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, so kannst Du auch Danke sagen, wenn Du möchtest:  >> Dankeschön <<.