#WiFi 802.11ax – Wird’s helfen? Von Illusionen und Verpackungsaufdrucken

Es gibt eine Menge an „Vorschusslorbeeren“ für 802.11ax, besonders weil die Hoffnungen vieler mit 802.11ac Wave2 nicht in Erfüllung gingen. Dennoch ist (entgegen der Meinung einiger) Wave2 in meinen Augen schon ein kleiner Achtungserfolg. Denn alles, was Besserung (besonders in VHD-Umgebungen, wie z.B. Schulen, Berufskollegs, Universitäten, Konferenzen) bringt, ist in diesem Kontext nur zu begrüßen. Trotzdem sind und waren die Erwartungen an WiFi deutlich zu hoch.

In der Planung liegt die Ursache aller Probleme.

tl;dr: Nur langfristig, wenn überhaupt

Die Geschichte von WiFi ist eine Geschichte voller Mißverständnisse…

Es gibt da so einige Trugschlüsse, mit jenen ich mal aufräumen muss. Manchmal setze ich dieses Vorhaben in meiner Deutlichkeit zu „eloquent“ um. Offensichtlich erreiche ich bislang immerhin noch nicht die „Deutlichkeit“ des Herrn Kachelmann, wenn es um die Verwechslungen hinsichtlich Dürre und Hitze geht. Ich finde, ich muss da mal nachlegen. Die Mail, die mir von einem meiner Leser geschickt wurde, kommt da gerade recht.

O-Ton:

„Klickschlampesque“ Werbeversprechen (um in diesen Jargon mit einzusteigen) gehen mir auf den Zünder! Es ist Zeit, mit Gerüchten und Halbwarheiten aufzuräumen, notwendigerweise auch mit beliebten Esoterik-Onlineshops, die sich um die „Verbesserung“ der „Antennen“ von Heimplasten aus Berlin derzeit im Netz tummeln. Aus irgendwelchen Gründen hält sich wohl der „Glaube“, WiFi müsse man nur „laut“ genug konfigurieren, dann würde das schon klappen. Zudem sei der Luftraum ja frei verfügbar, also könne man da beliebig viele Geräte anschließen. Völliger Blödsinn!

Na klar kann ein Wave-2 Accesspoint ja mal locker 500 Clients, weil das steht da ja auf der Verpackung, vgl. hierzu auch https://unifi-hd.ubnt.com/. WTF?

-> NÖ! Verdammt nochmal!

500+ Nutzer kann der Accesspoint – eventuell – „assoziieren“, das heißt aber noch lange nicht, dass man dann damit auch so etwas lapidares, wie z.B. „Daten“ übertragen kann. 4×4 Streams helfen zwar schon, hinsichtlich Airtime deutlich zu verbessern. Bei nur 2 möglichen (DFS, Wetterradar mal inkludiert) Kanälen für VHT160 wird’s so einen Blödsinn selbstverständlich nicht in VHD-Umgebungen geben. Also sind auch die beworbenen Datenraten völliger Käse. In der Guideline von Aruba heißt es nicht umsonst, dass wir aus Gründen der Frequenzknappheit bei VHT20 festhängen, vgl. hierzu auch (Link).

Seriöse Anbieter schreiben im übrigen auf die Verpackung, was das Boot tatsächlich kann, hier z.B. Aruba zum Wave2 IAP315er:

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Wenn man dann manche Wunschvorstellungen zu hören bekommt, insbesondere beim Planen für VHD-Umgebungen, dann schlackern einem doch die Ohren. Bei mir klappt da innerlich ein Schalter um, wenn mir dann manche Herrschaften mit Vergleichen zu „Berliner Heimplasten“ daherschwafeln.

WiFi ist verdammt nochmal kein Ethernet!
Und es verhält sich auch immer noch so, wie ein Hub vor 20 Jahren. WiFi ist kein Switch. WiFi ist auch nur Halb-Duplex und kein Voll-Duplex! Und das ändert sich auch nicht mit AX. (Sorry für meine „laute“ Wortwahl).

2,4G bleibt auch zukünftig 2,4G!
Wir haben hier nur 3 effektiv nutzbare Kanäle, da nicht überlappend. Und das bleibt auch so. Mit Interferenzen wirst Du in diesem quasi nicht nutzbaren Funkraum weiter zu kämpfen haben. Das ändert auch nichts an der Tatsache, dass fast jede dahergelaufene IOT-Plaste in der Regel nur 2,4G funken kann. Deswegen hängen die da fest. Und viele der guten Neuerungen in AX werden in diesem völlig zugemüllten Band auch gar nicht funktionieren.

5G ändert sich – Ein bisschen.
Auch wenn 4×4 MU-MIMO in Wave2 AC aus vielen Betrachtungen „nicht sehr viel“ gebracht hat, es hat (aus meiner Sicht) immerhin mal ein bisschen geholfen. Besonders die besseren Derivate – z.B. Aruba und Ruckus konnten damit schon eine Menge verbessern. Das 8×8 MU-MIMO in AX kann in Sachen Airtime unter Umständen signifikante Erhöhungen bringen, das liegt an zwei der vier Verbesserungen:

OFDMA
Bei OFDMA (von LTE bekannt) kann jeder MU-MIMO-Stream in vier einzelne Ströme segmentiert werden. Das ist quasi das Hyperthreading von WiFi. Damit erhöht es die mögliche Dichte um den Faktor 4 im Optimalfall. Es kann schneller getaktet gesprochen werden, das führt auch zu einer besseren Auslastung der Spatial Streams.

QAM1024
Bislang können wir maximal QAM256 sprechen. Das „Quadratur-Amplituden-Modulationsverfahren“ ist das Ding, welches beschreibt, wie viele Informationen in einer Zeiteinheit übertragen werden. Keith Parsons beschreibt das wunderschön in seinem Beitrag (Link) – sofern Du da tiefer einsteigen möchtest. Dennoch, an einem Mac, mit der Software von Adrian Granados (Link) kann man schön sehen, wie „theoretisch“ das Ganze doch ist. MCS9 an Wave1 gab’s eh schon selten, wie sollte man dann davon ausgehen, dass auch jeder Client in der hinterletzten Ecke QAM1024 sprechen kann? No Way!

Der neue Standard 802.11 ax ziehlt primär nicht auf eine größere Performance, doch auf eine bessere „Gleichzeitigkeit“, jene dringend benötigt wird. Hier wird’s aber noch Jahre dauern, bis sich der Standard durchsetzen kann. Wie immer braucht es dazu auch die passenden Endgeräte. Weiterhin ist der EU-Standard EN301893 ax im Weg und bedarf vor Einführung offenbar ein paar Justierungen, jene es auch für den Vorgänger gab. Wäre dem nicht so, würden wir in der EU einen Großteil der dringend benötigten Features von ax vermissen.

Bei allen schicken neuen Features muss man zudem auch bedenken, dass diese der Client überhaupt erstmal unterstützen muss. Sofern der Anwender AX nicht sprechen kann, wird er auf AC Wave2 zurückfallen. Alle schicken Interpretationen auf den Werbeplakaten, welche mit den größten Versprechungen daherkommen, helfen da nix, wenn der Client das neue Suaheli nicht versteht.

Und und und.
Es bleibt dabei, AX wird erstmal nicht viel ändern. Erst wenn die Clients ax selbst verstehen, wird sich in Ansätzen eine leichte Verbesserung ergeben, jedoch lange nicht in den Dimensionen, wie sie derzeit versprochen und interpretiert werden. Möglicherweise ist das auch der Grund, auf jenem die vielerorts geäußerte Enttäuschung über Wave2 fußt. Möglicherweise ist auch das Konsortium, mit Sicherheit jedoch eine Vielzahl der Hersteller an der Misere ursächlich beteiligt.

Wir müssen auch zukünftig damit auskommen, dass Zeit und Raum ein begrenztes Gut sind. Da hilft nur ein ordentliches Vorgespräch, um zu erkunden, was der Kunde tatsächlich will. Das muss dann schriftlich fixiert und in einer vernünftigen Planung wiedergegeben werden. Nochmal, es ist möglich VHD bereitzustellen. Wenn der Kunde das möchte, kann er das haben. Dazu muss man jedoch planen. Und man muss das Gebäude kennenlernen (AP-On-A-Stick-Survey).

Vor allem die notwendige Ehrlichkeit vermisse ich da recht häufig. Wir müssen dem Kunden mitgeben, dass WiFi eben nicht die illusorischen Eigenschaften hat, die er sich davon verspricht.

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